Der Livestream der Landesschülervertretung Thüringen mit dem Bildungsminister Holter sorgte in den letzten Wochen für großes Aufsehen. Anstatt jedoch über die Inhalte und das, was Schüler*innen zu Zeiten der Covid-19-Pandemie wirklich betrifft, zu diskutieren, wurde über datenschutzrechtliche Bedenken debattiert.

Die GRÜNE JUGEND Thüringen setzt sich dafür ein, dass der Organisation von Schule, Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit mindestens genauso viel Aufmerksamkeit geschenkt wird!

Die GRÜNE JUGEND Thüringen fordert für das aktuelle Schuljahr deshalb:

  • Kein „Sitzenbleiben“ und die Möglichkeit des freiwilligen Wiederholens
  • Freiwillige Abschlussprüfungen mit angepassten Leistungs-Anforderungen
  • Keine Notenvergabe bis einschließlich Klassenstufe Neun, stattdessen individuelle, schriftliche Einschätzung des aktuellen Lernstandes
  • Präsenzunterricht für Abschlussklassen, Oberstufe und Grundschüler*innen, sobald es die Pandemielage erlaubt
  • Schutzmaßnahmen auf Lebensrealität der Schüler*innen anpassen (Lüften bei Minusgraden kann keine Lösung sein)
  • Kostenlose, unbürokratische Bereitstellung von Soft-und Hardware
  • Kurse für alle Schüler*innen zu den Themen Mentale Gesundheit, Selbstlernen, und Tagesgestaltung und Online-Beratungs-Angebote ausbauen
  • Mindestens ein*e Vertreter*in der Schüler*innen im Corona-Bürger*innenrat

„Schüler*innen aller Klassenstufen sitzen seit Wochen zu Hause und müssen mit einer nicht funktionstüchtigen Schul-Cloud kämpfen. Sie werden zu oft mit ihren Ängsten, Leistungsdruck und der Ungewissheit darüber, wie es weitergeht, allein gelassen. Gerade für Abschlussklassen ist das eine große Belastung.

Wir wollen, dass die diesjährigen Abschlussklassen einen gerechten Abschluss bekommen. Deshalb fordern wir den Schüler*innen freizustellen, ob sie eine Prüfung in den gewählten Fächern ablegen möchten oder ob die Abschlussnote aus den Vornoten berechnet wird.

Das stellt sicher, dass alle die Möglichkeit haben, ihre Note durch eine Prüfung zu verbessern,ohne dass Nachteile für diejenigen entstehen, die sich durch den ausfallenden Präsenzunterricht nicht entsprechend vorbereiten konnten.

Weiterhin fordern wir, dass die Notenvergabe bis einschließlich Klassenstufe Neun ausgesetzt wird. Die ungleichen Bedingungen bei jedem*jeder Schüler*in zuhause verschärfen Bildungsungerechtigkeiten, verhindern, dass Schüler*innen gleiche Ausgangsbedingungen haben und dürfen deshalb nicht bewertet werden. Stattdessen wollen wir, dass alle Schüler*innen eine individuelle Einschätzung über ihren aktuellen Lernstand bekommen.“, so Felix Bergedieck, Schüler und Beisitzer im Landesvorstand.

Karoline Jobst, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Thüringen, ergänzt: „Wir müssen den Ungerechtigkeiten, die durch Home-Schooling entstehen, soweit wie möglich entgegenwirken. Deshalb ist es wichtig, dass alle Schüler*innen mit der Soft-und Hardware, die sie benötigen. ausgestattet werden. Dazu gehören sowohl Laptops, Arbeitsprogramme als auch eine stabile Internetanbindung. Das muss kostenfrei für Schüler*innen und möglichst unbürokratisch passieren.

Auch den psychischen Belastungen, die unter anderem mit den fehlenden sozialen Kontakten durch Distanzunterricht einhergehen, muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dies zeigt auch die aktuell erschienene Copsy-Studie: Demnach leiden ein Drittel der Kinder psychisch an den sozialen Einschränkungen.

Als Grüne Jugend Thüringen setzen wir uns dafür ein, dass kein*e Schüler*in mit seinen*ihren Problemen allein gelassen wird. Ansätze, um dies in Corona-Zeitenzu gewährleisten, können verbindliche Lehrer*innenfortbildungen und kostenlose, auf das Alter angepasste Kurse zu mentaler Gesundheit, Selbstlernen und Tagesgestaltung im Distanz-Unterricht für Schüler*innen sein. Außerdem muss jede*r Schüler*in Zugang zu Online-Beratungs- und Präventionsangeboten haben.“