Pressemitteilung
Jena, den 10. Januar 2020

Der Antrag zum generellen Verbot von Windkraft im Wald, welchen die FDP-Landtagsfraktion zur nächsten Sitzung einbringen will, ist nach Meinung der GRÜNEN JUGEND Thüringen eine destruktive Scheindebatte, die an der Realität vorbeigeht. Die GRÜNE JUGEND fordert stattdessen progressive Vorschläge, um die Energiewende vereint mit dem Umweltschutz voranzubringen.

Die GRÜNE JUGEND Thüringen hält die jüngst von der FDP neu aufgebrachte Diskussion über Windenergieanlagen im Wald für absolut destruktiv und irreführend, da sie an der Thüringer Realität vorbeigeht. Der Antrag der FDP-Landtagsfraktion, Windkraft im Wald generell zu verbieten, ändert beinahe nichts an der jetzigen Situation, da es nach Informationen des Umwelt- sowie Infrastrukturministeriums gegenwärtig bloß zwei Windenergieanlagen in Thüringer Wäldern sowie Planungen für drei weitere Anlagen gibt. Damit lenkt der Antrag den Fokus in der Debatte auf ein Detail, welches in Thüringen quasi keine Rolle spielt.

Zudem teilt die GRÜNE JUGEND Thüringen die Auffassung nicht, dass Windkraft im Wald in jedem Falle schädlich und zu verurteilen sei. „Die Frage, ob Windkraft im Wald nutzbringend ist, kann sicherlich nicht generell bejaht werden. Allerdings sind selbst Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace der Meinung, dass dies unter strengen Bedingungen durchaus eine sinnvolle Möglichkeit darstellt. Mit der in der vergangenen Legislatur dahingehenden Lockerung des Waldgesetztes sollte genau dem Rechnung getragen werden.“, führt der Landessprecher der GRÜNEN JUGEND Thüringen, Sebastian Fachet, aus.

Landessprecherin Isabell Welle ergänzt: „Wenn ganze forstwirtschaftlich genutzte Waldgebiete beispielsweise durch einen Insektenbefall abgestorben sind und es viele Jahre dauern würde, das Gebiet zu renaturieren, so ist es nach Meinung von Umwelt-Expert*innen durchaus sinnvoll, die Flächen für einen gewissen Zeitraum als Standort für Windenergieanlagen zu nutzen und wenn betroffene Kommunen oder Waldbesitzer*innen dies für ihre Flächen überlegen, sollten wir sie daran nicht durch ein pauschales Verbot hindern.“ Laut dem Umweltministerium sind aktuell etwa 85% der Waldflächen geschädigt oder sogar schwer geschädigt. In einigen Gebieten davon, in denen kein Baum mehr lebt, wären für die Windkraftgewinnung geeignet. Außerdem sichert das Waldgesetz, dass für jede von einer Windenergieanlage im Wald versiegelte Fläche gleichwertige Ausweichflächen bepflanzt werden müssen. Windkraft im Wald bietet unter bestimmten Bedingungen also Chancen, die der FDP-Antrag verhindern würde.

Auch in Anbetracht der Zahlen zu Windenergieanlagen in Waldgebieten meint Justus Heuer aus dem Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND Thüringen: „Der Antrag entfacht eine Scheindebatte, denn er hätte beinahe keine Auswirkungen. Er würde keinen Fortschritt bedeuten – weder für den Umwelt- und Naturschutz noch für die Energiewende. Wir fordern progressive Ansätze zur Bekämpfung der Klimakrise anstatt solchen sinnlosen Diskussionen! Statt restriktiverer Gesetzeslagen braucht es eine vereinfachtes Genehmigungsverfahren und eine finanzielle Bürger*innenbeteiligung für neue Windenergieanlagen, denn ohne Windkraft wird Thüringen sein Ziel, bis 2040 komplett auf erneuerbare Energien zu setzen, nicht erreichen können und wenn einzelne Windenergieanlagen im Wald dem zeitweise dienen, so sollte diese Möglichkeit nicht im Voraus ausgeschlossen werden!“