Pressemitteilung
Jena, den 05. Dezember 2019

Der Thüringen-Monitor 2019 offenbart einen zunehmenden Antisemitismus im Freistaat. Die GRÜNE JUGEND Thüringen mahnt, dieses neuerliche Alarmsignal nicht zu ignorieren. Ein Expert*innengremium nach Berliner Vorbild könnte die Bemühungen gegen Antisemitismus unterstützen.

Der kürzlich veröffentlichte Thüringen-Monitor offenbart ein Besorgnis erregendes Bild. Zwar gibt es auch positive Entwicklungen wie etwa einen Höchstwert an Demokratieunterstützung und einer deutlich gewachsenen Demokratiezufriedenheit. Allerdings stiegen zugleich auch die Zustimmungswerte für den Nationalsozialismus verharmlosende und insbesondere antisemitische Aussagen stark an. So stimmten dieses Jahr sechzehn Prozent der Aussage „Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns“ zu. Damit stieg der Anteil antisemitisch eingestellter Bürger*innen um sieben Prozentpunkte.

„Auch angesichts jüngster Angriffe gegen Jüd*innen wie im Oktober in Halle ist dieser Anstieg ein beängstigendes, wenn auch nicht neues Alarmsignal. Antisemitismus ist nach wie vor tief in unserer Gesellschaft verankert.“, meint der Landessprecher der GRÜNEN JUGEND Thüringen, Sebastian Fachet. So ziehen der Studie zufolge neun Prozent der Befragten Gewalt zur Umsetzung ihrer Ziele in Erwägung; unter den antisemitisch eingestellten Bürger*innen sind es hingegen schon zwanzig Prozent.

„Der Kampf gegen antisemitische Ansichten ist nicht nur zum Schutz unserer jüdischen Mitmenschen essenziell, sondern auch zur Bewahrung unserer liberalen Gesellschaft. Wir müssen Informations- und Aufklärungskampagnen gegen Antisemitismus stärker forcieren und für jegliche Altersschichten anbieten. Nicht nur in der Schule sollten Angebote wie Themenwochen oder Projekte ausgebaut werden, sondern auch für Erwachsene müssen vielfältigere Bildungsangebote zur Verfügung gestellt werden.“, so Isabell Welle, Landessprecherin der GRÜNEN JUGEND Thüringen. Sebastian Fachet ergänzt: „Außerdem könnte ein Expert*innengremium gegen Antisemitismus, wie es jetzt in Berlin eingerichtet wurde, solche Informationskampagnen sowie die bereits aktiven Organisationen unterstützen und Empfehlungen für die Politik erarbeiten.“

Der Anstieg antisemitischer Überzeugungen reiht sich laut Thüringen-Monitor in zunehmende rassistische und NS-verharmlosende Überzeugungen ein. Es braucht mehr denn je ein breites zivilgesellschaftliches Engagement, um rechtem und antisemitischen Gedankengut entgegenzutreten, aber auch historische Ereignisse wie den Holocaust nicht zu vergessen. So lädt die GRÜNE JUGEND Saale-Orla am Samstag, den 14. Dezember, dazu ein, in Pößneck die Stolpersteine zu putzen und so das Andenken an die Holocaust-Opfer zu bewahren. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Beginn ist 12.30 Uhr nahe der Breiten Straße 4, 07381 Pößneck.