Pressemitteilung
Jena, den 19. November 2019

Transfeindlichkeit tötet auch 2019 hunderte Menschen und der 20. November, der „Transgender Day of Remembrance“, soll uns als Gesellschaft daran erinnern, dass trans* Personen noch immer unter großen Repressalien zu leiden haben: Sie werden weltweit verachtet, verfolgt oder gar ermordet. Die GRÜNE JUGEND Thüringen gedenkt an diesem Tag allen Opfern und Betroffenen von Transfeindlichkeit und fordert ein Umdenken – beispielsweise durch die Abschaffung des Transsexuellengesetzes.

Anlässlich des „Transgender Day of Remembrance“ am 20. November gedenkt die GRÜNE JUGEND Thüringen den innerhalb des vergangenen Jahres ermordeten trans* Personen. Das „Trans Murder Monitoring“-Projekt zählt zwischen dem 1. Oktober 2018 und November 2019 331 Morde an trans* Personen weltweit.
Daniel Michel, der Frauen-, inter-, trans- und genderpolitischer Sprecher der GRÜNEN JUGEND Thüringen hierzu: „Wir sind erschüttert, dass auch 2019 noch Menschen getötet werden, nur weil ihr Geschlecht nicht mit dem übereinstimmt, das sie bei Geburt zugewiesen bekommen haben. Uns ist klar, dass es sich bei diesen Zahlen nur um die Spitze des Eisberges handelt.“
Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer noch höher liegt. Zugleich sind die Morde Ausdruck der Transfeindlichkeit, die gesamtgesellschaftlich nach wie vor vorhanden ist. Morde sind hiervon nur die extremste Variante. Im Alltag von trans* Personen zeigt sie sich in vielfältigeren Formen, sowohl im zwischenmenschlichen Kontakt als auch in Form von Gesetzen und Verwaltungsstrukturen. Isabell Welle, Landessprecherin der GRÜNEN JUGEND Thüringen, konkretisiert: „Mit dem sogenannten Transsexuellengesetz ist nach wie vor ein Gesetz in Kraft, das nicht die selbstbestimmte Änderung des bei Geburt falsch zugewiesenen Geschlechtseintrages ermöglicht, sondern mit einer Gutachtenpflicht auf Fremdbestimmung und Pathologisierung setzt. Dieses Gesetz gehört abgeschafft und alsbald durch eine Möglichkeit ersetzt, den Vornamen sowie den Geschlechtseintrag unkompliziert in einem einfachen Verwaltungsakt zu ändern.“
Die GRÜNE JUGEND Thüringen gedenkt zum Transgender Day of Remembrance auch explizit all denjenigen trans* Personen, die indirekt durch Transfeindlichkeit getötet wurden. „In einer Gesellschaft zu leben, die trans* Personen nicht ernst nimmt, ihnen die Kompetenz abspricht, das eigene Geschlecht zu kennen, und die in vielen Fällen auf trans* Personen mit Hass und Ablehnung reagiert, stellt eine große psychische Belastung für Betroffene dar. Wir gedenken heute auch all denjenigen trans* Personen, die dieser nicht mehr standhalten konnten und in den vergangenen Monaten Suizid begangen haben.“, so Landessprecher Sebastian Fachet.
Zum Gedenken an alle trans* Personen, die in den letzten zwölf Monaten durch Transfeindlichkeit getötet wurden, lädt die GRÜNE JUGEND in Erfurt am 20. November um 15 Uhr an der Rathausbrücke (99084 Erfurt) zu einer Gedenkkundgebung ein. Alle Menschen, die ihr Mitgefühl und ihre Trauer zum Ausdruck bringen möchten, sind hierzu eingeladen.

 

Nachtrag (vom 20. November, 13.30 Uhr):

Die Gedenkveranstaltung in Erfurt musste leider abgesagt werden!