Am 21.09. druckte die Thüringer Allgemeine (TA) eine Großanzeige, in der die AfD für ihre Demonstration am selben Tag warb. Auf Nachfrage via Twitter erklärten der Social Media-Account der TA sowie der Geschäftsführer der Thüringer Mediengruppe, zu der die TA gehört, dies sei in den Konzernrichtlinien: „Demokratische Partei, deswegen Gleichberechtigung.“ Auf die Nachfrage, ob auch Werbung der NPD und ähnlicher Parteien, die nicht verboten seien, gedruckt würde, bekamen wir folgende Antwort: „Egal, wie die Richtlinie ist: nein“. Als Grüne Jugend Thüringen finden wir diese offensichtlich für die TA existierende inhaltliche Unterscheidung bemerkenswert. Grundsätzlich kritisieren wir ein Abdrucken der AfD-Werbung scharf, wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über den Umgang mit der AfD.

Laura Wahl, Sprecherin der GJ Thüringen erklärt dazu: „Die Erklärung, die AfD werde auf Grund ihrer Legitimation als demokratisch gewählte Partei gleichbehandelt, war zwar erwartbar, wirft aber trotzdem einige Fragen auf. Es steht nämlich trotzdem in der freien Entscheidung der TA, ob sie die Werbung druckt. Die AfD ist eine Partei, die verschiedene Grundpfeiler unserer Demokratie angreift. Auf ihren Demos und Veranstaltungen werden immer wieder Pressevertreter*innen angegriffen, die Religionsfreiheit wird, wie im Umgang der Partei mit der Moschee-Planung in Marbach offensichtlich wird, nicht als hohes Gut geachtet und offen Rechtsextreme finden in dieser Partei ihren Platz. Ein Überdenken des Abdruckens und eine Entscheidung dagegen wären notwendig gewesen. Dass die TA keine Werbung der NPD veröffentlicht ist die richtige Entscheidung. Da gerade auf den AfD-Demos in Erfurt aber oft nicht minder rechtsextreme Einstellungen geäußert werden, kann eine Richtlinie, die sich gegen das Schalten von AfD-Werbeanzeigen ausspricht, nur die logische Konsequenz sein.“

Jonas Graeber, Sprecher der GJ Thüringen ergänzt: „Alle Medien müssen sich eine grundsätzliche Frage stellen: Wie mit der AfD umgehen? Die AfD ist zweifelsohne eine Partei, die brandgefährlich ist. Ihre Inhalte sind oft sexistisch, massiv feindlich gegenüber LSBT*I*Q-Menschen und ein Nährboden für rassistisches Gedankengut, wie beispielsweise auch die Mitte-Studie der Uni Leipzig zeigt. Wenn einer solchen Partei neben einer übermäßig hohen Berichterstattung auch die Legitimierung als ganz normale demokratische Partei durch die Medien gegeben wird, dann ist dies ein massiver Fehler. Simple Reproduktion der Inhalte der AfD, auch durch Werbung, wie wir sie in Thüringen erleben, legitimiert diese Partei. Aber nicht nur die Medien sind gefragt. Auch die anderen Parteien müssen in gemeinsamer Arbeit eine konstruktive Strategie gegen die AfD erarbeiten und ich sehe hier auch die rot-rot-grüne Koalition in der Pflicht, ein menschliches, soziales und vor allem weltoffenes Gesellschaftsbild zu zeichnen, das als positives Narrativ der AfD entgegenwirken kann.“

Abschließend erklärt das Sprecher*innenteam: „Letztendlich brauchen wir einen gesellschaftlichen Grundkonsens, der Weltoffenheit gegen Rassismus, Achtung und Ausbau der Grundrechte und ein soziales Miteinander gegen die populistische Hetze der AfD setzt. Denn eine Normalisierung der AfD, auch und gerade durch die Medien, macht vor allem eins: Rassismus und Menschenfeindlichkeit wieder salonfähig. Und das dürfen wir nicht zulassen.“