Was kommt auf deinen Teller? Tiere und Arten in der Landwirtschaft schützen!

Thüringen ist ein Land der Massentierhaltung – Tiere, die in unserer Gesellschaft als Nutztiere eingeordnet werden, leiden tagtäglich in riesigen Tierfabriken. Die knapp zwei Millionen Legehennen in Thüringen haben oft kaum mehr Platz als auf einem handelsüblichen DIN A4-Blatt. Von den 800 000 Schweinen leidet eine Vielzahl in engen und unhygienischen Kastenständen – betäubungslose Kastration inklusive. Es gibt Betriebe mit mehr als 10 000 Schweinen – und das ist den Profiteur*innen dieses ausbeuterischen Systems nicht genug: Die Betriebe planen noch größer zu werden, wie es aktuell in Neumark im Weimarer Land der Fall ist. Der Wert des billigen Fleisches scheint höher priorisiert zu sein als das Leben eines fühlenden und denkenden Wesens. Die zahlreichen Skandale der letzten Jahre, wie etwa in Greiz, zeichnen ein noch schockierenderes Bild: Tiere werden systematisch gequält und die Verantwortlichen schauen tatenlos zu. Das System der Profitmaximierung führt zu immer größeren Betrieben. Kleine Betriebe, die dem ökologisch nachhaltigen Kreislauf prinzipiell näher sind, können kaum Gewinne erzielen und werden durch die Großen im Markt verdrängt. Die Förderstruktur auf allen Ebenen und die laschen, ineffizienten Richtlinien unterstützen diese Entwicklung weiterhin. Futtermittel, wie Soja, können billig importiert werden. Thüringen ist so Teil der Ausbeutung der Regionen der Welt, die unter der Ausnutzung ihrer ökologischen Ressourcen leiden. Das alles befeuert zusätzlich die globale Klimakatastrophe. Der Anteil ökologischen Landbaus ist in Thüringen im Bundesländervergleich mit am niedrigsten. Sowohl der Anteil der Betriebe als auch der Flächenanteil sind so niedrig, dass es gar nicht lohnt diese Zahl zu nennen.

Fakt ist: Radikale Änderungen sind nötig und möglich! Qualität und Klasse, statt Quantität und Masse! Die Agrarreförmchen und die angesetzten Ziele des Landes samt der Worthülsen der zuständigen Ressorts zeigen, dass die Verantwortlichen das noch nicht erkannt haben. Sie verschließen die Augen vor dem Artensterben und weiteren ökologischen Krisen, die nicht nur langsam global voranschreiten, sondern auch ganz konkret, vor Ort in Thüringen geschehen. Die Agrarwende muss jetzt kommen: Wir brauchen eine naturnahe Kreislaufwirtschaft, eine Stärkung lokaler Strukturen und vielfältig ökologisch bewirtschaftete Flächen ohne Gift.

Es wird dringend Zeit, den umweltschädlichen Formen der Landwirtschaft den Rücken zu kehren, denn: Uns ist nicht egal, was auf unseren Teller kommt. Dir auch nicht?

 

Tierschutz

Produkte aus tierlicher Herkunft, gehören gegenwärtig zum Einkaufszettel vieler Bürger*innen dazu. Oft stehen jedoch die Stimmung und das Image der Verpackung dieser Produkte in keinem Verhältnis zu den wirklichen Produktionsbedingungen in den Betrieben. Frei nach der Devise „Masse statt Klasse“ sind viele Betriebe auf Grund paradox-preiswerter Erzeuger*innenkosten in einer Produktionsspirale gelandet, in der die Wirtschaftlichkeit der einzig wichtige Fokus ist, wenn die Betriebe nicht schon auf „Erhalt“ der betrieblichen Grundlage produzieren. Die wirtschaftliche Not kann jedoch nicht der Grund sein, welcher zu Abstrichen in der Tierhaltung führt. Ein Symbol für diese pseudo-legitimen Abstriche im Tierwohl ist beispielsweise das Kupieren der Ringelschwänze von Schweinen. Dies ist eine Praxis, die nicht im freien Ermessen der Tierhalter*innen liegt. Sie soll eine Art Ausnahmeregelung im Falle der Tierwohlgefährdung darstellen. Wenn Schweine nicht artgerecht gehalten werden und nicht genügend Beschäftigungsmöglichkeiten haben, verfallen diese intelligenten Tiere in Stress, welcher in Folge zum Kannibalismus unter Artgenossen führt. Auf Grund der verbreiteten Haltungsbedingungen wurde diese Praxis Standard, obwohl sie auf europäischer Ebene bereits seit 1994 verboten ist. Nicht das Tier muss verändert werden, sondern die Umstände um es herum. Die Schweinehaltung ist hierbei nur ein Bespiel der Tierhaltung, bei der auf Grund der wirtschaftlichen Notwendigkeiten dem Tierwohl kaum Bedeutung zugeschrieben wird. Ähnlich lässt sich dies auf die Haltung von Milchvieh und Legehennen oder Geflügelmast ausweiten. Wenn die Tierhaltung in einem anreizlosen, neutralen Umfeld aus Beton, Spaltenböden und künstlichen Licht stattfindet, sollte dies auch für Kund*innen beim Einkauf deutlich erkenntlich gemacht werden. Darüber hinaus sind tierliche Erzeugnisse kein Spekulationsprodukt, weder für inländische noch für globale Märkte. Diese Form des Wirtschaftens, lässt nur Wenige profitieren und sorgt für ein Ungleichgewicht im Futtermittelkreislauf und im ökologischen Umfeld der Betriebe, die von der Wertschöpfungskette den geringsten Teil erhalten.

Wir fordern daher ein Stopp dieser Betriebsformen und eine Umstellung zu nachhaltig orientierten Arbeitsweisen, bei der das Tierwohl zentral ist und regionale Kreisläufe sowie eine nachhaltige, regionale Futtermittelproduktion möglich sind. Eine flächengebundene Haltung, die sich darüber hinaus am Maßstab der Öko-Anbauverbände orientiert, stellt hierbei den zeitgemäßen Fokus dar. Unser Ziel ist, dass unsere Gesellschaft langfristig ohne die Ausbeutung von Tieren und der Umwelt auskommt. Es ist längst überholt, inakzeptable Haltungsbedingungen mit Profitmaximierung der Verarbeiter*innen und des Handels zu legitimieren. Tierliche Produkte konsumieren zu dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit, dies sollte in jedem Schritt der Aufzucht und nicht zuletzt im Preis erkennbar sein. Gerade kleine und direkt-regional vermarktende Betriebe bieten die Möglichkeit, die Wertschöpfungsketten zu verkleinern und geben den Erzeuger*innen die Preise, die ihnen wirklich zustehen. Denn Regionalität kommt nicht aus dem Discounter. Tiergerechte Haltungsformen, wie zum Beispiel Hühnermobile, müssen auch von der Landespolitik gefördert werden. Eine Anlehnung an Initiativen wie der „Ringelschwanz-Prämie“ aus Niedersachsen, die gezielt andere Haltungsbedingungen würdigen, könnte ein erster richtiger Schritt sein. Es ist an der Zeit unser Verhältnis zu Tieren grundlegend zu überdenken. Kosmetische Reformen in der Tierhaltung reichen nicht aus, um den empfindungsfähigen Lebewesen ein Mindestmaß an Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Das Einsperren und Töten von Tieren stellen wir als GRÜNE JUGEND grundsätzlich in Frage und fordern daher einen schrittweisen Ausstieg aus der Tiernutzung und -verwertung.

Vielfalt auf dem Acker und auf dem Teller, ist das Ziel – denn nur so können ausgedehnte Fruchtfolgen, die dem Boden und der gesamten Umwelt nützen zurückkommen. Der Markt für vegane Ersatzprodukte ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Wir sind fest überzeugt das auch dies Potenzial für die Landwirtschaft in Thüringen bietet. Derzeit sind es wenige mutige Betriebe, die sich abseits von den herkömmlichen Ackerfrüchten an neuen Alternativen versuchen. Wir wollen mit Leuchtturmprojekten pflanzliche Alternativprodukte aus Thüringen stärken. Versuche mit neuen Feldfrüchten, stellen ein Risiko für die Betriebe dar. Es ist nachvollziehbar, dass damit verbunden neue Versuche ausbleiben. Eine Förderung für die Bäuer*innen schafft den nötigen Anreiz um das „Ausprobieren“ neuer Wege zu möglichen. Ebenso braucht es ein Kompetenzzentrum im Landwirtschaftsministerium, das mit Beratung eine Unterstützung bei der Durchführung bietet. Auch der Ausbau regionaler Produktionsstätten für pflanzliche Alternativprodukte muss hierbei unterstützt werden. So könnten gerade Betriebe die eigentlich auf die Tierhaltung angewiesen waren, einen umweltgerechten, aber auch ertragreichen Schritt in Richtung Zukunft gehen.

 

Die Landwirtschaft zur Artenschützerin machen!

Neben großen Waldflächen ist Thüringen von intensiv-landwirtschaftlich genutzter Fläche geprägt. Im Vergleich zu anderen Bundesländern sind hier landwirtschaftliche Betriebe mehrere tausend Hektar groß. Die Bodenreform der Jahre 1945/1946 führte dazu, dass aus den kleinen Betrieben die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) entstanden, welche nach der Wendezeit in Genossenschaften übergingen.

Die so aufgeteilte landwirtschaftliche Fläche wird auch heute noch von großen Betrieben bewirtschaftet. Daraus resultiert, dass es kaum Möglichkeiten gibt neue Agrarbetriebe zu gründen und bestehende kleine Betriebe nicht wachsen können. Diese historisch überholte Situation muss reformiert werden, um auch kleinbäuerlichen Betrieben Perspektiven zu bieten.

Unsere Landwirtschaft muss vielfältiger werden, sowohl strukturell als auch in der Natur. Der Ökolandbau stellt hierbei ein wichtiges und zu unterstützendes Element für eine zukunftsfähige Landwirtschaft dar. Unser Ziel ist eine Landwirtschaft, die ohne Monokulturen, Pestizide oder chemische Dünger auskommt. Daher wollen wir bis 2030 die Fläche des ökologisch bewirtschafteten Lands auf 40% anheben. Um das zu erreichen fordern wir eine Erhöhung der Umstellprämie. Der Natur und Artenvielfalt zuliebe müssen wir andere Wege gehen. Eine Landwirtschaft, die im Kreislauf nur so viel gibt, wie sie auch nimmt, muss unser oberstes Ziel sein. Nicht zuletzt wurde durch eine Klage auf europäischer Ebene zur Nitratbelastung des deutschen Grundwassers auf Grund von Gülle deutlich, dass gerade bei der Düngung neue Wege notwendig sind.

Wir wollen eine Landwirtschaft ermöglichen, die Arten stärkt. Als größte Landgestalterin im ländlichen Raum trägt sie einen entscheidenden Anteil dazu bei wieder vielfältige Lebensräume in der Fläche und Biotopverbünde zu ermöglichen. Der ökonomische Druck zu immer intensiverer Produktion, unter dem viele landwirtschaftliche Betriebe stehen, stellt allerdings ein großes Hindernis für die Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen dar. Zentral ist deshalb, dass wir als Gesellschaft landwirtschaftlichen Akteur*innen ihren Einsatz für Artenschutz auch angemessen vergüten. Eine höhere Vielfalt in der Landwirtschaft soll vor allem dem Schutz und der Erhaltung der Natur und Artenvielfalt dienen. Die rapide Abnahme der Artenvielfalt ist ein Alarmsignal, welches uns zum Handeln zwingen muss. Über die letzten Jahrzehnte wurde die Landschaft immer monotoner, es fehlen strukturgebende Elemente an den Feldern wie Hecken, Bäume, Wiesen oder Wegesränder. Sie sind es, die verpflichtend zu einem Teil unserer landwirtschaftlichen Nutzflächen gemacht werden müssen. Dies ist eine Aufgabe, die nicht nur allein von Bäuer*innen übernommen werden kann. Es ist wichtig, dass dies auch finanziell voll abgefedert wird. Immer häufiger werden in Thüringen Blühstreifen gesät. Zwar ist jede Blüte wichtig, jedoch werden die Streifen vielfach als Makeup für eine Betriebsführung genutzt, die keine natürliche Vielfalt zulässt. Wenn diese Streifen zu dem an stark befahrenen Straßen, für Bürger*innen gut sichtbar, für Tiere und Insekten jedoch hoch gefährlich, gesät werden, ist der mögliche Naturschutz-Effekt eher ein Hindernis. Wir fordern daher langfristig bleibende und verpflichtende Elemente im Naturschutz. Die Förderkulisse des Freistaats muss so ausgerichtet sein, dass gerade nachhaltige Strukturvielfalt (z.B. Heckenstrukturen, Blühstreifen, Tümpel) auf der Fläche gefördert wird. Langfristig müssen darüber hinaus diejenigen Betriebe höhere Vergütungen erhalten, die auch einen größeren Aufwand für den Naturschutz in Kauf nehmen.

Wir verstehen die Arbeit der Landwirtschaft als einflussreichen und bedeutenden Faktor für den Naturschutz. Konfliktsituationen wie das Mäusejahr-2020 zeigen, dass mit dieser Arbeit auch viele Hürden verbunden sind. Die Mäusepopulation sorgt für starke Verluste der Ernteerträge. Aufgrund der Wetterveränderungen der letzten Jahre entwickelten sich die Bestände rasant und eine natürliche Dezimierung blieb aus. Diese Situation betrifft – alle Betriebe, ob konventionell oder biologisch. Wir müssen hierbei gemeinsam mit den Landwirt*innen flexible und umweltverträgliche Lösungen für solche Konfliktsituationen finden, denn schnelle effektive Lösungen sind auf natürlichem Wege nicht immer in Aussicht. Wir brauchen daher zukünftig einen engen Dialog zwischen Landwirt*innen und Naturschutzorganisationen, z.B. als runden Tisch, um gemeinsam Lösungen zu finden. Eine Lockerung des Einsatzes von Pestiziden, Neonicotinoiden und Giftködern, ebenso wie die Reduzierung der Schutz-Flächen ist die falsche Lösung. Um solche Probleme einzudämmen, müssen wir weiterhin natürliche Wege gehen, um der Natur nicht an anderer Stelle zu schaden.

Wir sind davon überzeugt, dass auch die Landwirtschaft einen deutlichen Teil zum Klimaschutz beitragen kann. Neben explizit-regionalen Kreisläufen spielt der Boden einen besonderen Einflussfaktor. Nicht nur als wichtiger Lebensraum für Insekten und Pflanzen, sondern auch als Speichermedium in Form von Humus für CO2 und Wasser. Gerade in immer häufiger von Dürre geprägten Jahresverläufen gewinnt dies an Bedeutung. Da der Humusaufbau neben diesem wichtigen Faktor, auch der allgemeinen Bodengesundheit bedeutend dient, halten wir als GRÜNE JUGEND Thüringen ein Landesförderprogramm für Humusaufbau für eine bedeutende Chance und logische Konsequenz. Außerdem bietet die Agro-Photovoltaik gute Möglichkeiten, um einerseits den Boden in Hitzesommern durch teilweise Verschattung besser vor Austrocknung zu schützen und gleichzeitig Landwirt*innen lukrative Einkommensmöglichkeiten zu bieten. Mit einem Landesförderprogramm kann der dringend benötigte Ausbau von Solarstrom auf diese Weise beschleunigt werden.

 

Transparenz für Konsument*innen

Regional, saisonal und ökologisch: Wir wollen, dass es allen Menschen möglich ist, sich für diese Art der Ernährung zu entscheiden. Nachhaltige und gesunde Ernährung darf nicht am Geldbeutel scheitern. Ein wichtiger Schlüssel hierfür sind kurze Wertschöpfungsketten und „kurze“ Wege vom Acker bis zum Tisch. Aus diesem Grund wollen wir direktvermarktende Betriebe in Thüringen stärker unterstützen. Denn sie tragen nicht nur zu dieser wichtigen Form der regionalen Versorgung bei, sondern schaffen auch Arbeitsplätze in ländlichen Regionen.

Transparenz ist für uns grundlegend, sodass einfach nachvollzogen werden kann, woher unsere Produkte kommen und wie sie produziert werden. Erste Schritte dafür müssen ein Ausbau des Thüringen-Labels und die Förderung von Direktvermarktung sein. Dazu gehört die Förderung von Konzepten, wie das der „Milchtankstelle“, von Gemüseautomaten oder Feldern zum selbst-Ernten, bei denen Verbraucher*innen vor Ort und meist rund um die Uhr Zugang zu verpackungsfreien und regionalen Produkten haben.

Auch die Kontrolle von tierhaltenden Betrieben durch Veterinärämter muss verschärft und effektiver werden, zudem sollen Ergebnisse öffentlich für alle einsehbar sein. Kontrollstellen müssen hierfür unabhängig von anderen staatlichen Stellen arbeiten können.

Wir setzen uns dafür ein, dass öffentliche Einrichtungen selbst zum Vorbild werden und beispielsweise in Schulkantinen, Mensen oder Essensausgaben in öffentlichen Einrichtungen nur regionale, bevorzugt aus Thüringen stammende und frische Bioprodukte, zum Kochen verwendet und zum Verkauf angeboten werden. Außerdem sollen Schulkantinen mindestens eine vegane Mahlzeit anbieten. Dies ist ökologisch, tier-ethisch und gesundheitlich sinnvoll. Zudem wird ein vielfältigeres Angebot den individuellen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen gerecht. Auch müssen Lebensmittelunverträglichkeiten berücksichtigt werden.