Als GRÜNE JUGEND Thüringen sehen wir uns als Teil einer kapitalismuskritischen Bewegung. Der Kapitalismus, also ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, in dem sich das Eigentum an Produktivmitteln und Betriebsvermögen in den Händen einiger Weniger konzentriert, hatte von Beginn an existenzielle Fehler, die nicht einfach durch kleine Reformen im System zu beheben sind: Der permanente Zwang zu Wachstum und Profiten, die Ausbeutung und die Unterdrückung von Mensch und Natur sind dem Kapitalismus innewohnend. Dieser kapitalistischen Logik wollen wir entgegenwirken. Als junge Menschen, die in westeuropäischen Ländern aufgewachsen sind, stehen wir global gesehen auf der Gewinnerseite dieses Systems – und wissen, dass wir damit auf Kosten der vielen Verlierer*innen leben.

Auch das Jahr 2017 hat wieder eindrücklich bewiesen, dass die Klimakrise eines der drängendsten Probleme unserer Zukunft ist. Während die Karibik dieses Jahr von überdurchschnittlich starken Hurricanes heimgesucht wurde, waren auf der anderen Seite der Erdkugel in Indien Millionen von Menschen von heftigen Monsunregenfällen betroffen. Die Zunahme von Extremwettereignissen in den letzten Jahren ist augenfällig. Laut dem IPCC ist menschliches Verhalten dabei prägend für die Zuspitzung der Klimakrise. Der kapitalistische Wachstumszwang führt zu einem ständig steigenden Ressourcenverbrauch und einer Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Der enorme materielle Wohlstand, der von der Industrialisierung an für breite Schichten der europäischen Bevölkerung geschaffen wurde, beruht dabei ganz wesentlich auf der Ausbeutung der Umwelt und der Menschen im Globalen Süden. Nach wie vor sind die Lebensumstände der Menschen in diesen Ländern von einer neokolonialen Politik und deren Folgen wie Krankheiten, Hunger, Armut und ökologischen Katastrophen bestimmt. Aber auch in unseren westlichen Gesellschaften klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Der Kapitalismus hat es nicht geschafft, ein menschenwürdiges Leben für Alle zu ermöglichen.

Unser Ziel ist es, durch wirtschafts- und gesellschaftspolitische Veränderungen in einer Welt zu leben, in der gleichberechtigte Teilhabe unabhängig vom sozialen Hintergrund Alltag ist. Immer wieder haben sich politische Bewegungen den zerstörerischen Kräften des Kapitalismus entgegengestellt – und dem Kapitalismus soziale und ökologische Fesseln aufgezwungen. Seien es die Arbeiter*innenbewegung mit dem Ruf nach menschenwürdigen Produktionsbedingungen und fairen Löhnen oder die Umweltbewegung der 1980er und 1990er Jahre – sie haben gezeigt, dass man dem Kapitalismus soziale und ökologische Fortschritte abringen kann. Diese Symptombekämpfung ist wichtig, kann jedoch nicht unser langfristiges Ziel sein. Wir kämpfen für eine andere Art des Zusammenlebes. Wenn die menschlichen Grundbedürfnisse befriedigt sind, bemisst sich Wohlstand für uns nicht an der Menge der produzierten Güter, sondern vor allem an einer gerechten und an Teilhabe und Ausgleich orientierten Gesellschaft, in der Entfaltung der*des Einzelnen sowie einem intakten natürlichen Lebensumfeld. Zwischenmenschliche Beziehungen und freie und selbstbestimmte Zeit ebenso wie der unbeschränkte Zugang zu Bildung und anderen Gemeingütern sind für uns Wohlstand. Wohlstand ist für uns Wohlstand durch Teilen. Unsere Kritik am Kapitalismus bedeutet also nicht, dass wir zurückwollen zu den gescheiterten Versuchen à la DDR-Sozialismus oder Sowjetkommunismus. Für uns sind die persönliche Freiheit und die Selbstbestimmung des Individuums ebenso hohe Werte wie die Solidarität der Menschen und die ökologische Nachhaltigkeit unserer Politik. Unser Ziel ist es, gemeinsam im demokratischen Prozess Ideen, Alternativen und Konzepte für eine solidarische und ökologische Ökonomie zu erarbeiten, die nicht länger dem Wachstumsfetisch huldigt, sondern nachhaltig wirtschaftet. Eine Ökonomie, in der die menschlichen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen und wirtschaftliche Beteiligung für alle möglich ist, unabhängig von Herkunft, Status, Geschlecht und Kapital.

Als GRÜNE JUGEND wollen wir heute schon für eine Welt jenseits des Kapitalismus kämpfen. Es gibt viele Ansätze, wie wirtschaftliche Prozesse jenseits der kapitalistischen Logik aussehen können. Mit der Veränderung von Gesellschaft kann begonnen werden durch eigene Praxis, durch den Aufbau von Gegenmodellen. Wir wissen, dass Veränderung aus praktischem Handeln entsteht und vorhandene Dynamiken aufgreifen muss. Unsere Politik wird aber nur dann erfolgreich sein, wenn wir es schaffen, diese Anfänge zu nutzen und gleichzeitig den Kapitalismus als System zu überwinden. In unseren Augen gibt es viele gesellschaftliche Bereiche, in denen ökonomische Prinzipien nichts zu suchen haben. Eine emanzipatorische Transformation der Gesellschaft ist dann möglich, wenn wir es schaffen, diese Bereiche nach und nach aus der kapitalistischen Logik herauszulösen. Ob im Gesundheitssektor, im Bildungssystem oder im Umweltschutz – rücksichtslose Gewinnmaximierung hat dort nichts verloren.