Die Corona Pandemie macht auch vor den Hochschulen nicht halt! Durch die aktuelle Krise werden grundsätzliche Probleme schonungslos offengelegt, gleichzeitig werden Lehrende, Beschäftigte und Studierende vor neue Herausforderungen gestellt. Geldmangel, psychische Probleme, erhöhter Aufwand für Care- und Reproduktionsarbeit, Mehraufwand in der Lehre, unzureichende technische Ausstattung, etc. zeigen wie anfällig das System Hochschule ist. Um Chancengleichheit sowie gleichen Zugang zu Hochschule, Bildungsaufstieg und Karriere zu gewährleisten, fordern wir, in Anlehnung an den freien Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs), folgende Punkte unverzüglich umzusetzen:

Fristen-Freiheit JETZT!

Alle Prüfungs-, Studien- und Studienfinanzierungsfristen werden um mindestens drei Semester verlängert. Die Anrechnung in Form eines „Kann-Semesters“ bleibt allen Studierenden selbst überlassen. Prüfungsleistungen werden als Freiversuche gewertet. Regel- und Maximalstudienzeiten werden ebenfalls um drei Semester erhöht!

Mehr Personal!

Das bestehende Hochschulpersonal soll unverzüglich entfristet werden, um in der Krise eine verlässliche Perspektive zu bieten. Neue Verträge müssen jetzt abgeschlossen werden, damit das Lehrpersonal deutlich aufgestockt wird, um dem pandemiebedingten Mehraufwand gerecht werden zu können. Die aktuelle Krise darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.

Digitale Teilhabe für alle!

Digitale Partizipation am Uni-Alltag muss für alle gewährleistet sein. Allen Studierenden soll datensichere Open-Source-Software sowie ein gesicherter Zugang zu Lernarbeitsplätzen zur Verfügung gestellt werden. Studierenden, die sich keine eigene Hardware leisten können, muss die angemessene Technik bereitgestellt werden!

Gesundheitsschutz in Pandemiezeiten gewährleisten!

Wir fordern die Hochschulen auf, während der Pandemie konsequent auf digitale Formate umzustellen, auch die Prüfungen. Viele Hochschulen in Thüringen zeigen bereits, dass dies konsequent möglich ist, aber leider wird an manchen Hochschulen bei bestimmten Veranstaltungen immer noch Präsenz erwartet. Das setzt auch die Studierenden einem unverantwortlichen Risiko aus.

Internationale Solidarität!

Für internationale Student*innen muss der Finanzierungsnachweis ausgesetzt und die Anmeldung von Selbstständigkeit generell erlaubt werden. Behörden müssen zeitnah Dokumente ausstellen und Arbeitserlaubnisse erteilen. Wer nicht einreisen kann, soll sich kurzfristig online immatrikulieren dürfen, um ohne weitere Einschränkungen am Studienprogramm teilnehmen zu können.

Finanzierung für Studierende muss gewährleistet sein!

Die aktuelle Situation legt die Finanzierungskrise offen. Viele Studierende haben ihre Jobs verloren, können keine Arbeit mehr finden und aufgrund der ökonomischen Krise keine Unterstützung mehr von ihren Eltern bekommen! Wir bestehen darauf, dass es weiterhin keine
Studiengebühren gibt und dass auch die Langzeitstudiengebühren abgeschafft werden. Es braucht kurzfristig echte Überbrückungshilfen, hierbei ist auch der Freistaat gefordert! Mittelfristig braucht es eine grundlegende Reform des BAFöGs hin zu einer elternunabhängigen Förderung.

Angebote erhalten!

Aktuell laufen die Verhandlungen mit der DB über die Verlängerung des Semestertickts. Hierbei steht eine weitere erhebliche Preiserhöhung im Raum. Eine Erhöhung ist derzeit kaum tragbar, ebenso wenig wie der Wegfall. Weil ein bezahlbares Semestertickt ein wichtiger Faktor für das Studieren in Thüringen ist, fordern wir, dass sich das zuständige (SPD) Ministerium in die Verhandlung einklinkt, um das Angebot zu sichern!

Hochschulstandortentwicklung!

Nur mit einem attraktiven Hochschulstandort studiert es sich gut. Ein gutes Umfeld ist für gute Lehre essenziell. Nicht nur müssen die Angebote, des Studierendenwerk ausgebaut werden, sondern auch die Hochschulstädte müssen gute Bedingungen von Kultur, Infrastruktur und angenehmen Aufenthalts- und Lern- und Ausstellungs- und Diskussionsorte bieten. Gerade Corona zeigt, es braucht mehr psychosoziale Angebote, Studieren muss im Freien möglich sein, Kultur krisenfest gemacht werden und Ausstellungs- und Diskussionsorte erschlossen werden.

Emanzipatorische Hochschule!

Der Zugang zu Hochschule ist nicht für alle gleich, ob Professor*innenstelle, oder Studierende, nach wie vor müssen wir an guten Bedingungen für alle arbeiten. Aus aktuellem Anlass müssen Antidiskriminierungsstrukturen an Hochschulen weiter ausgebaut werden. Wir
brauchen eine Kultur an Hochschulen, welche sich Sexismus entgegenstellt und verhindert, dass Lehrende ihre Machtpositionen ausnutzen. Die Durchlässigkeit für Frauen, Inter-, Trans- und nicht-binäre Personen müssen wir steigern, so dass der Anteil bei den Lehrenden und in Gremien steigt. Besonders in Zeiten von Corona zeigt sich, dass Care-Arbeit überproportional von nicht cis-männlichen Personen geleistet wird. Care-Arbeit leistende Personen haben dadurch weniger Zeit für Beruf und Freizeit und haben es somit schwerer in ihrem Karriereweg. Dadurch wird auch deutlich, dass es wichtig ist an den Hochschulen ausreichend Plätze zur Kinderbetreuung bereitzustellen. Die Quote der Studienanfänger*innen aus nichtakademischen Haushalten müssen wir erhöhen und die Abbrecher*innenqoute senken. Dafür braucht es spezielle Maßnahmen, von Werbung, Zugangsvoraussetzung, bis Empowerment und Beratung. Queere Hochschulmitglieder brauchen ein offenes Umfeld, dazu gehören auch bauliche Maßnahmen, wie geschlechtsneutrale Toiletten. Studiert wird in allen Lebenslagen, deshalb müssen Studien- und Karrierewege immer auch flexibel und individell auf die eigenen Bedürfnisse ausrichtbar sein. Die paritätische Besetzung von Hochschulgremien muss ausgeweitet werden, um eine wirkliche Einbindung aller Statusgruppen ermöglicht wird und das Interesse an Hochschulpolitik steigt.