Das Selbstverständnis wurde einstimmig auf der Landesmitgliederversammlung am 15./16. März in Jena beschlossen.

Präambel

Willst Du etwas bewegen, und weißt nur noch nicht wie? Willst Du für deine Visionen kämpfen, und weißt nur noch nicht mit wem? Die GRÜNE JUGEND Thüringen ist offen für deine Ideen. Jeder junge Mensch hat Visionen für seine Zukunft. Wir wollen dir ein Forum geben, in dem Du deine Meinung frei äußern oder dir eine Meinung bilden kannst. In dieser Gesellschaft brauchen wir Ideen, Elan und Engagement, um Politik beeinflussen und Zukunft gestalten zu können. Mitmachen statt meckern!
Wir denken basisdemokratisch, umweltbewusst, gewaltfrei, sozial und global. Wir fordern nachhaltige Wirtschaftskonzepte und den konsequenten Schutz der bedrohten Umwelt. Wir fordern Chancengleichheit in der Bildung – denn nicht das Einkommen oder der Bildungsstand deiner Eltern dürfen darüber entscheiden, welche Chancen du hast. Wir stehen für Selbstbestimmung statt Überwachung und Freiheit statt Angst. Wir fordern, dass Gleichberechtigung aller Menschen selbstverständlich wird und lehnen jede Form von Diskriminierung grundsätzlich ab. Deshalb engagieren wir uns aktiv gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

Die GRÜNE JUGEND steht in Partnerschaft mit BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Unser Ziel ist es, die Interessen junger Menschen innerhalb von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu vertreten. Dennoch sind wir politisch wie organisatorisch unabhängig. Wir formulieren und verfolgen selbstbewusst und selbstständig eigene Ziele und Wünsche. Denn wir sind JUNG – GRÜN und STACHELIG!

Bei uns kann jede*r mitmachen, die*der etwas bewegen will, und so lernen, dass Politik Spaß macht!

Es liegt an uns, einzugreifen und die Zukunft zu gestalten. Wenn dir deine Zukunft am Herzen liegt, bist Du bei der GRÜNEN JUGEND Thüringen genau richtig! Komm vorbei und mach mit!

Umwelt und Ökologie

Die Bereitstellung von Nahrung durch die Landwirtschaft ist unabdingbare Grundlage unseres Lebens. Ziel ist es daher, auch in Zukunft die Ernährung der Weltbevölkerung nachhaltig sicherzustellen. Die derzeitige intensive Landwirtschaft basiert jedoch auf endlichen Rohstoffen, welche zur Kunstdüngerherstellung und für Pestizide benötigt werden. Unachtsamkeit gegenüber der Natur gefährdet den Erhalt landwirtschaftlicher Nutzflächen. Viel zu oft wird Kultivierung als Kampf gegen die Natur missverstanden und versucht, durch massive Eingriffe in die Natur diese an die Bedingungen der vermeintlich ertragreichsten Sorten anzupassen, anstatt die Anbaumethoden an die gegebenen Umstände anzupassen. Langfristig braucht es einen Komplettumbau der Landwirtschaft auf ökologische Methoden, welche ohne die Nutzung fossiler Energieträger und umweltgefährdender Chemikalien auskommt, die Artenvielfalt bewahrt und die natürlichen Ressourcen nutzt, ohne sie überzustrapazieren.

Wir setzen uns dafür ein, dass der Freistaat Thüringen durch gezielte Förderung die Extensivierung der Landwirtschaft in Thüringen vorantreibt und somit vor allem Familienbetrieben die Möglichkeit gibt, ohne zwanghaftes Wachstum dem Konkurrenzdruck der vor allem in Ostdeutschland ansässigen Großbetriebe standzuhalten. Extensivierung bedeutet auch, die natürliche Vielfalt durch Brachflächen und Buschwerk zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen zu fördern. Wir wollen uns für die Bewahrung landwirtschaftlicher Flächen einsetzen, dass sie nicht einfach versiegelt und anderen Zwecken zu geführt wird.

Umweltschutz ist existenzielle Grundlage einer nachhaltigen Politik, die die Erde kommenden Generationen so hinterlässt, wie wir sie vorgefunden haben. Zerstörung und Schäden an der Umwelt sind nur über lange Zeiträume und häufig gar nicht wieder gut zu machen. Deshalb sind wir verpflichtet, nachhaltig mit der Umwelt umzugehen. Biologische Vielfalt ist fester Bestandteil einer intakten Natur und erhält die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen.

Wir halten die Einrichtung von Biosphärenreservaten für ein wichtiges Mittel, um bedrohte Arten und einzigartige Lebensräume zu schützen und zukünftigen Generationen zu bewahren.

Doch auch außerhalb von Naturschutzgebieten existieren seltene Tier- und Pflanzenarten. Da die menschliche Nutzung der Landschaft nicht komplett aufgegeben werden kann, sind einzelne Tierschutzprojekte eine notwendige Ergänzung zu naturbelassenen Zonen.

Es sind vor allem Industrieinteressen, die Umweltinteressen entgegenstehen. Wir wenden uns entschieden gegen Unternehmungen, die kurzfristige Profite versprechen, aber mit unabsehbaren Folgen für die Umwelt verbunden sind. Versalzene Flüsse oder Gefahren für das Grundwasser durch riskante Bergbaumethoden, wie beispielsweise Fracking zur Erdgasgewinnung und CCS zur unterirdischen Kohlenstoffdioxidspeicherung, sind unbedingt zu verhindern.

Bildung

Aufgabe von Bildungspolitik ist es, die Rahmenbedingungen für ein lebenslanges Lernen zu schaffen – von frühkindlicher Bildung hin bis zu Bildung im hohen Alter.

Wir wollen allen Kindern von Anfang an Bildung unabhängig von ihrer Herkunft ermöglichen und so Chancen zu Weiterentwicklung und gesellschaftlichem Aufstieg schaffen.

Schlüssel dazu ist für uns fähigkeitenorientierte Bildung, die Kinder und junge Erwachsene ganz individuell nach ihren Fähigkeiten fördert. Nur so erreichen wir ein chancengerechtes, inklusives Bildungswesen. Uns geht es darum, jedem Kind in Thüringen gerecht zu werden – es muss egal sein, aus welchem Elternhaus es kommt und ob es eine Behinderung hat oder nicht.

Wir streben eine umfassende Reform des Schulsystems an, unser langfristiges Ziel ist eine Schule für alle. Dazu wollen wir Betroffene mitnehmen und in den Kommunen für diese Schulform werben. Gleichzeitig wollen wir die demokratische Selbstverwaltung der Schulen stärken.

Thüringens Hochschulen brauchen eine Zukunftsperspektive. Wir lehnen die Kürzungen der letzten Jahre ab und setzen uns für eine langfristige, transparente und demokratische Hochschulentwicklung ein, die zusammen mit den Studierenden und Mitarbeiter*innen geplant wird. Die Hochschulen brauchen endlich eine verlässliche Grundfinanzierung durch das Land, die auch Kostensteigerungen berücksichtigt. Auch der Bund ist hier in der Pflicht. Das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der Bildung muss aufgehoben werden, damit sich der Bund mehr an der Hochschulfinanzierung beteiligen kann. Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der sich der Bund nicht aus der Verantwortung ziehen darf.

Wir wollen die Praxisnähe in der Hochschule erhöhen, duale Studiengänge fördern und die Reformen des Bologna-Prozesses evaluieren. Insbesondere der zunehmenden Verschulung und dem wachsenden Druck auf die Studierenden stehen wir kritisch gegenüber.

Verkehr

Wir setzen uns für eine echte Verkehrswende ein. Die Zukunft gehört einer klimaneutralen Nahmobilität. Wir räumen dem Fuß- und Radverkehr, sowie dem Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) Vorrang ein. Das Zufußgehen wird heute oft nur als Randthema der Verkehrsplanung behandelt. Der Radverkehr bleibt bisher in Thüringen weit hinter seinen Möglichkeiten. Deshalb wollen wir flächendeckende Rad- und Fußwegekonzepte im ganzen Land. Der ÖPNV sollte die Menschen in allen Gemeinden Thüringens mindestens an das nächstgelegene Zentrum anbinden. In Ergänzung zur Regionalbahn ist hierfür auch ein landesweites Regionalbusnetz notwendig. Der Thüringen-Takt kann die bestehenden Angebote besser vernetzen und so Bus und Bahn zu einer echten Alternative zum Auto machen. Nur so erreichen wir eine Verkehrsberuhigung in den Ortskernen, reduzieren Lärm, vermindern umwelt- und klimaschädliche Emissionen und sichern die Teilhabemöglichkeiten aller Thüringer*innen.

Gerade im ländlichen Raum wird es allerdings weiterhin einen anhaltenden Bedarf nach automotorisierter Mobilität geben. Jedoch betrachten wir den Ausbau des Straßennetzes, mit Ausnahme einzelner Ortsumgehungsprojekte, als abgeschlossen. Der Erhalt bestehender hat für uns Vorrang vor dem Bau neuer Straßen.

Da der Flugverkehr eine der unökologischsten Fortbewegungsarten ist und die ansässigen Flughäfen großer öffentlicher Unterstützung bedürfen, um betrieben werden zu können, fordern wir den Stopp dieser Steuermittelverschwendung.

Netz- und Informationspolitik

Junggrüne Netz- und Informationspolitik sieht sich als Zukunfts- und Gesellschaftspolitik. Für uns geht es bei Netzpolitik nicht nur um technische Fragen, sondern vor allem um die Frage der gesellschaftlichen Teilhabe im 21. Jahrhundert.

Deshalb wollen wir für alle einen universellen, freien Zugang zu schnellem Internet sicherstellen. Zu den Leitlinien unserer Politik gehören fairer Zugang zu Inhalten, Barrierefreiheit, Netzneutralität, eine echte Informationsfreiheit und ein Internet ohne Monopole, Netzsperren und anlasslose Speicherung personenbezogener Daten. Wir setzen uns für den Erhalt von Bürger*innenrechten ein und wollen diese auch im digitalen Zeitalter umfassend schützen. Dabei hat der Schutz des Individuums vor dem Zugriff des Staates oberste Priorität. Deshalb lehnen wir eine anlasslose Speicherung von personenbezogenen Daten wie bei der Vorratsdatenspeicherung grundsätzlich ab. Gleichzeitig wollen wir den Datenschutz an die Bedingungen des 21. Jahrhunderts anpassen, das gilt sowohl für private Akteure wie auch (internationale) Unternehmen.

Ein weiterer Aspekt sind die von öffentlichen Stellen zur Verfügung gestellten Daten. Hier streben wir einen möglichst umfangreichen Zugang an, um so Transparenz über Vorgänge in der öffentlichen Verwaltung herzustellen (Open Data und Open Government). Darüber hinaus fordern wir, dass sämtliche mit öffentlichen Geldern finanzierte Forschung wieder der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden sollte (Open Access).

Wir setzen uns für eine verstärkte Nutzung freier Software und offener Datenformate ein. Diese ermöglichen nicht nur einen uneingeschränkten Zugang zu Informationen und sozialer Teilhabe, sondern ebenfalls erhebliche Kosteneinsparungen in der öffentlichen Verwaltung.

Wirtschaft und Energie

Eine intakte Umwelt sowie soziale Gerechtigkeit sind Grundlagen für Wohlstand und individuelle Freiheit. Darüber hinaus sind sie Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften. Wirtschaftliche Aktivitäten sollten immer dem Zweck dienen, den Wohlstand aller zu mehren. Es sind also stets Umwelt- und Sozialaspekte zu berücksichtigen. Das marktwirtschaftliche Prinzip von Angebot und Nachfrage halten wir als das zweckmäßigste zur Erfüllung dieser Ziele. Wir streben die Verwirklichung einer Ökosozialen Marktwirtschaft an.

Wirtschaftswachstum kann nur in Bereichen sinnvoll sein, wo Bedürfnisse nicht befriedigt sind. Jedes Wachstum wird irgendwann den Punkt erreichen, wo sich weiteres Wachstum schädigend auswirkt, ob hinsichtlich der Umwelt durch Ausbeutung, im Sozialen durch wachsende Ungleichverteilung oder bei Konsument*innen, wenn Produkte beispielsweise eine kürzere Lebensspanne haben, nur um zu einem baldigen Neukauf anzuregen. Wir sprechen uns daher für eine Neubewertung von Wohlstand abseits vom Bruttoinlandsprodukt aus, bei der Umwelt, Soziales und der Schutz der Lebensgrundlagen berücksichtigt werden.

Als konkrete Maßnahmen zur Erreichung der Umweltziele ist mit Blick auf Thüringen die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe zu nennen. Im größeren Rahmen ist Kostenwahrheit über externe Effekte herzustellen. Das heißt Steuern, der Zertifikatehandel oder direkte Kompensationsverpflichtungen sollten Produkte entsprechend ihrer Umweltschädlichkeit verteuern. Die Einnahmen aus Steuern und Zertifikatehandel sollten ebenfalls in Maßnahmen zur ökologischen Kompensation fließen.

Unser heutige Unsere heutige Gesellschaft ist ohne Energie und Elektrizität undenkbar. Die Energieerzeugung basiert jedoch immer noch zu einem Großteil auf fossilen Energieträgern wie Kohle, Atom und Gas, die der Umwelt und dem Klima langfristig schaden. Wir wollen die Energieversorgung mittelfristig auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umstellen.

Die Energieversorgung der Zukunft kommt ohne Atomkraftwerke aus. Atomkraft ist weder sicher noch nachhaltig und passt nicht zu einer dezentralen Energieversorgung durch erneuerbare Energien. Jedes Jahr gibt es neue Störfalle, trotzdem dürfen die Meiler weiterlaufen. Es gibt immer noch kein Endlager für radioaktive Abfälle und Castortransporte rollen oft unbemerkt durch Deutschland. Dieses Risiko wollen wir nicht länger hinnehmen,: Atomkraftwerke sollen abgeschaltet und für den Atommüll ergebnisoffen ein Endlager gesucht werden.

Für uns ist Energiepolitik mehr als die Frage der Produktion. Damit die Energiewende langfristig gelingen kann, muss Energie eingespart werden und die Effizienz gesteigert werden. Weiterhin müssen Speichertechnologien weiterentwickelt werden und eine größere Verbreitung finden sowie intelligente Stromnetze ausgebaut werden.

Es gibt auch Ansatzpunkte für Thüringen: Bei der Sanierung öffentlicher Gebäude sollte konsequent auf den Einsatz erneuerbarer Energien gesetzt werden, um einen Betrieb ohne Nutzung fossiler Brennstoffe zu ermöglichen. Wenn möglich und sinnvoll, sollten die Dächer öffentlicher Gebäude außerdem mit Solaranlagen ausgestattet werden. Die Energiewende bietet zudem die Möglichkeit für Thüringen, sich als Technologiestandort für erneuerbare Energien zu etablieren. Diese Chance gilt es zu nutzen und nicht verstreichen zu lassen.

Soziales, Arbeit und Gesundheit

Der Sozialstaat ist wichtiger Eckpfeiler unserer demokratischen und solidarischen Gesellschaft. Wir halten ihn nicht nur wegen der wirtschaftlichen Vorteile gerechterer Gesellschaften für unabdingbar, sondern auch weil Solidarität die Basis für ein friedliches Zusammenleben ist. Wir sehen mit großer Sorge, dass der Sozialstaat über die letzten Jahrzehnte immer weiter ausgehöhlt wurde. Deshalb kämpfen wir für eine politische Kehrtwende hin zu mehr Solidarität und gegenseitiger Verantwortung.

Wir wollen deshalb umfassende Reformen voranbringen und mit einer transparent berechneten, bedarfsorientierten Grundsicherung, einem durch eine unabhängige Kommission festgelegten Mindestlohn und einer solidarischen Grundrente allen Generationen umfassende soziale Teilhabe ermöglichen.
Arbeit beinhaltet nicht nur den ökonomischen Zweck, sondern ist ein wesentlicher Bestandteil gesellschaftlicher Teilhabe. Daher muss allen Menschen und insbesondere Menschen mit psychischen oder körperlichen Erkrankungen ein Weg in die Arbeit ermöglicht werden. Dies kann beispielsweise durch eine finanzielle Unterstützung der einstellenden Unternehmen geschehen. Ebenso sind ehrenamtliche Tätigkeiten mehr zu würdigen und entsprechende Projekte in Bildung, Kultur, Sport und Medien zu fördern.

Gesundheit ist die Voraussetzung dafür, dass ein Individuum sich selbst entfalten und Teil einer Gesellschaft sein kann. Deshalb ist es unser Anspruch, jedem einzelnen Menschen unabhängig von seinem Einkommen die bestmögliche Gesundheitsförderung und medizinische Versorgung zu ermöglichen. Daraus ergibt sich einerseits die Aufgabe, das Gleichgewicht der Ausgaben in diesen Bereichen immer wieder neu auszubalancieren. Andererseits folgt aber auch die Verpflichtung zu einer rationalen und effizienten Gesundheitsversorgung. Wir wollen die Strukturen der Gesundheitsversorgung grundlegend überdenken und diese auch gegen die Widerstände der starken Interessenvertretungen reformieren, hin zu einem System, das auch für Außenstehende durchschaubar wird. Bedeutende Verbesserungen der derzeitigen Ungerechtigkeiten in der Finanzierung des Gesundheitssystems können durch den Umstieg in die Bürger*innenversicherung erreicht werden. Auch die Finanzierung wird so gerechter gestaltet: Statt heute einseitig die Einkommen von Gering- und Durchschnittsverdiener*innen zu belasten, setzen wir auf die Einbeziehung aller Berufe und Einkommen.

Elementarer Bestandteil von Gesundheitspolitik ist die Suchtpolitik. Wir wollen, die willkürliche Einteilung zwischen legalen und illegalen Drogen aufbrechen und den Menschen einen mündigen Umgang mit Drogen ermöglichen. Die Prohibition ist in ihrer jetzigen Form gescheitert und erzeugt weltweit viel Leid. Nicht nur bei uns, sondern auch und ganz besonders in den meisten Drogenanbaugebieten weltweit, wird ein brutaler, aber aussichtsloser Krieg gegen Drogen geführt. Deswegen wollen wir uns grundlegend umorientieren und den selbstbestimmten Konsum von Drogen entkriminalisieren. Erste auch landespolitische Schritte dazu können „Drug-Checking“-Angebote, Drogenkonsumräume, in denen Hilfsmittel für den sicheren Konsum bereit gestellt werden und die Erhöhung der straffrei zu besitzenden Mengen sein.

Gender- und Queerpolitik

Feminismus ist für uns ein Querschnittsanliegen und nach wie vor notwendig, um gesellschaftliche Ungleichheiten zu bekämpfen. Noch immer sehen sich Frauen vielfältigen Diskriminierungen ausgesetzt. Das reicht von benachteiligenden Rollenbildern über männlich dominierte institutionelle Strukturen und Lohnungleichheit bis hin zu Alltagssexismus und häuslicher Gewalt. Wir wollen das ungleiche Geschlechterverhältnis nicht länger hinnehmen und langfristig die Kategorie Geschlecht irrelevant machen. Geschlechtlichkeit darf nicht über Zugang zu gesellschaftlichen Positionen und Entfaltungschancen bestimmen.

Wenn wir von Frauen und Männern reden, meinen wir dabei das sozial konstruierte Geschlecht und eine erlernte Rolle, die dahintersteht. Wir sind deswegen der Überzeugung, dass ein Aufbrechen der Rollenklischees auch ein wichtiges Anliegen für Männer ist, die auch nicht alle zu gleichen Teilen von den patriarchalen, d. h. männlich dominierten gesellschaftlichen Strukturen profitieren.

Gleichstellung von Frauen in unserer Gesellschaft kann sich nicht in Gleichberechtigung auf dem Papier erschöpfen. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zeigen, dass ohne verbindliche Instrumente wie der Frauenquote keine echte Gleichstellung zu machen ist. Deswegen setzen wir uns für fixe Frauenquoten ein und praktizieren sie im eigenen Verband. Wir erkennen damit Frausein als gesellschaftlich momentan relevante und benachteiligende Kategorie des gesellschaftlichen Zusammenlebens an – einen Zustand, den wir überwinden wollen –, damit sich männlich dominierte Strukturen in Wirtschaft und Politik nicht immer weiter reproduzieren und verfestigen, sondern endlich aufgebrochen werden. Deswegen fordern wir 50 Prozent der Macht den Frauen.

Einhergehen muss dieser Prozess mit der Anerkennung aller Geschlechtsidentitäten und dem Kampf gegen Transphobie. Wir unterstützen die queere Bewegung, eine Hauptmotivation unseres Engagements war und ist der Kampf gegen die Diskriminierung gleichgeschlechtlichen Begehrens und das Erstreiten aller Rechte für legitime Liebe und Partnerschaften von Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht. Deswegen kämpfen wir an der Seite von Lesben und Schwulen gegen Homo- und Biphobie und fordern gleiche Rechte, gleichen Respekt und gleiche Würde für gleiche Liebe.

Demokratie und Recht

Wir wollen die Beteiligung der Bürger*innen innerhalb der parlamentarischen Demokratie verbessern und Menschen stärker in politische Willensbildungsprozesse einbeziehen. Dazu gehören für uns vor allem die Eckpfeiler Volksgesetzgebung, Transparenz und Mitwirkung in parlamentarischen Verfahren im Thüringer Landtag. Volksbegehren und Volksabstimmungen sollten vereinfacht und Quoren abgesenkt werden. Transparenz bei parlamentarischen Prozessen bedeutet, dass die Arbeit des Thüringer Landtags für alle Bürger*innen nachvollziehbar sein sollte. Dazu gehören für uns auch die Sitzungen der Ausschüsse, wo die Sacharbeit stattfindet. Die Ausschüsse des Landtags sollten darum grundsätzlich öffentlich tagen. Mehr Mitbestimmung bedeutet für uns auch, dass junge Menschen, etwa durch die Herabsetzung des aktiven Wahlalters, aktiver an politische Prozesse herangeführt werden. Hier sind aber auch die Schulen in der Pflicht. Schule sollte der Ort sein, an dem Demokratie gelernt wird. Menschen, die dauerhaft in Thüringen leben und aus Drittstaaten kommen, die nicht der Europäischen Union angehören, sollten ein kommunales Wahlrecht erhalten.

Asyl, Migration, Internationales

Wir stehen für eine weltoffene Gesellschaft, sowohl in Deutschland als auch in Europa. Wir setzen uns dafür ein, dass die Festung Europa, die durch diverse Abkommen manifestiert ist, abgebaut wird. Die Errichtung und rigide Überwachung von Grenzen führt dazu, dass Menschen Unrecht zuteil wird, die teilweise aufgrund von Aktionen europäischer Akteur*innen flüchten müssen. Die Selektierung von Asylsuchenden und Migrant*innen nach Qualifikation und Dienlichkeit für die Wirtschaft muss ein Ende haben. Wir kämpfen für menschlichere Asylverfahren. Insbesondere ist es in diesem Zusammenhang wichtig, ein dezentrales Bewerber*innen-Verfahren und eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge zu garantieren, damit diese sich schneller in die Gesellschaft integrieren können und rassistische Ressentiments abgebaut werden. So stehen wir auch für eine unbürokratischere und schnellere Unterstützung der Asylsuchenden. Dem folgt zum eine konsequente Unterstützung und Entbürokratisierung, als auch die Aufhebung des Arbeitsverbots, sowie frühzeitiger Deutschunterricht. Die Diskriminierung der Flüchtlinge von behördlicher Seite durch restriktive Maßnahmen wie die Residenzpflicht und das Gutscheinsystem sind nicht angemessen und müssen abgeschafft werden. Asylbewerber*innen dürfen nicht wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Wir stehen für eine Willkommenskultur, damit nicht nur politischen Flüchtlingen, sondern auch Klima- und Armutsflüchtlingen ein sicheres und lebenswertes Umfeld geboten werden kann. Das Vorhandensein dieser Flüchtlinge belegt aber auch, dass die Herkunftsländer der Flüchtlinge nachhaltiger unterstützt werden müssen um eine demokratische, soziale und Klima- Gerechtigkeit innerhalb und zwischen den Nationen voranzutreiben.

Ein geeintes und starkes Europa bietet viele Vorteile. Wir plädieren dafür,Europa als eine große Chance wahrzunehmen und sich vom Nationalstaatsgedanken und damit verbundenen Patriotismus und Nationalismus zu lösen, um eine multikulturelle und offene Gesellschaft, die allen offen steht, zu gewährleisten. Dazu wollen wir demokratische Reformen in der Europäischen Union voranbringen: Wir wollen das europäische Parlament stärken, in dem es genuine Parlamentsrechte wie das Gesetzesinitiativrecht und eine stärkere Stellung gegenüber dem Europäischen Rat erhält. Dabei gilt es vor allem, die Transparenz von Entscheidungsprozessen zu vergrößern, um die Akzeptanz bei den Bürger*innen zu erhöhen.