Mit 30 Millionen Euro profitiert Thüringen von der Auszahlung aus dem Fonds, in dem das Vermögen einstiger Parteien und Massenorganisationen der DDR gesammelt wurde. Wohin das Geld aber fließt, das steht bisher nicht konkret fest.

Nachdem Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) und Staatssekretärin Babette Winter (SPD) sich dafür ausgesprochen hatten, mit den SED-Geldern die Thüringer Grenzmuseen finanziell zu stärken, unterbreitet jetzt auch die GRÜNE JUGEND Thüringen einen Vorschlag.

Die unabhängige Jugendorganisation von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN schlägt vor, die Mittel für die Aufarbeitung von Fremdenfeindlichkeit und rassistischen Übergriffen in der DDR zu verwenden. Bisher gibt es dazu kaum Forschung, geschweige denn eine gesellschaftliche Auseinandersetzung. Da sei aber dringend notwendig, findet Fabian Gabriel, Sprecher der GRÜNEN JUGEND Thüringen: „Die DDR war, auch wenn die SED-Führung diesen Staat immer wieder als „antifaschistisch“ bezeichnete, nicht frei von Rassismus oder anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Es gab zahlreiche rassistische Anfeindungen und Übergriffe, besonders gegenüber damaligen Vertragsarbeiter*innen aus Staaten wie Ungarn, Algerien und Vietnam.“

Das größte Problem dabei: Wenn rassistische Übergriffe oder sogar Morde stattfanden, wurde das von den Behörden vertuscht, die Täter*innen kamen oft davon und die betroffenen Vertragsarbeiter*innen wurden in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt. Was in der DDR-Gesellschaft zurückblieb, waren die rassistischen Gerüchte und Vorurteile die diese Übergriffe erst begünstigten und im Anschluss nie hinterfragt wurden.

Ein Beispiel dafür sind die pogromartigen Übergriffe gegen algerische Vertragsarbeiter 1975 in Erfurt. „Wer redet in Erfurt heute noch darüber? Wieviele Erfurter Schüler*innen behandeln das in ihrem Geschichtsunterricht? Ich befürchte nur sehr wenige.“ stellt Gabriel dazu fest und sagt weiter: „Es gibt viel Unwissen über dieses Kapitel des DDR-Unrechts, dem besonders mit Blick auf jüngere Generationen entgegengewirkt werden sollte. Deswegen fordern wir von der Landesregierung, Geld zur Aufarbeitung dieser Thematik bereitzustellen.“

Die zur Verfügung stehenden SED-Gelder wären dafür nur geeignet. Der Weiterentwicklung der Grenzmuseen würde das nicht widersprechen, so der grüne Jugendverband – immerhin seien 30 Millionen Euro eine Menge Geld.