Ein Überblick über die Thüringer Schweineskandale der letzten Jahre.

 

Während der Erarbeitung unseres „Warum-Vegan?“-Flyers sind wir auf die regelmäßigen Tierrechtsverstöße in der Thüringer Nutztierhaltung gestoßen: Im Land der Bratwurst wird fast jährlich ein neuer Skandal bezüglich der Haltung und Schlachtung von Schweinen bekannt. Aus diesem Grund haben wir auch eine kurze Zusammenfassung der letzten 5 Schweineskandale in den Flyer aufgenommen. Hier ist das Ergebnis:

 

  1. Im (mittlerweile geschlossenen) Schlachthof Jena war von 2010 bis 2012 die Betäubungsanlage defekt, sodass rund ein Viertel aller Tiere ihre Zerlegung bewusst miterlebten. Der Schlachthof war immer wieder Ziel von Kontrollen, die Misstände waren bekannt und getan wurde trotzdem nichts.
  2. In der Mörsdorfer Agrar GmbH fiel 2014 die Belüftungsanlage eines Stalls aus und 2.000 Schweine verendeten.
  3. Im Jahr 2013 bewiesen Video- und Bildaufnahmen der Organisation Animal Rights Watch (ARIWA), dass der Zuchtbetrieb Gut Thiemendorf Heideland GmbH & Co. KG seine Sauen und Ferkel in zu kleinen Kastenständen hielt. Das gleiche passierte wieder 2015: Die gleichen Missstände bestehen immer noch.
  4. Ein anderes Video von ARIWA, ebenfalls aus dem Jahr 2015, deckte bei der Veröffentlichung 2016 die Zustände in den Ställen des damaligen Präsidenten des Thüringer Bauernverbandes (Helmut Gumpert) auf. In dem Video schmettert eine Mitarbeiterin ein neugeborenes Ferkel auf den Betonboden.
  5. 2017 wurden Ermittlungen aufgrund schwerer Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz gegen die Agrargesellschaft Adib in Bad Langensalza bekannt. Bei einer Kontrolle war der Zustand von 39 Schweinen so schlecht, dass sie notgetötet werden mussten. Dortiger Geschäftsführer war zum Zeitpunkt der Aufdeckung Klaus Kliem, der u.a. 22 Jahre als Präsident des Thüringer Bauernverbandes tätig war.

Währenddessen schauen die Behörden noch zu oft weg und selbst die niedrigen Tierschutz-Standards werden nicht konsequent durchgesetzt. Letztendlich sind Tierschutz-Verletzungen die logische Folge eines Systems, das mit der Maxime der Profitmaximierung immer neue Möglichkeiten sucht, noch billiger tierische Produkte zu produzieren.

(In der oben gezeigten Karte sind die Skandale den farbigen Punkten von 1 bis 5 wie folgt zugeordnet: pink, dunkelgrün, grün, hellgrün, schwarz.)

 

… Und die Liste geht weiter.

Schon kurz nach der Fertigstellung der Flyer kam ein neuer Schweineskandal ans Licht. Deswegen führen wir die Liste hier weiter. Kontaktiert uns gerne, wenn wir etwas vergessen haben.

 

6. In sieben Thüringer Betrieben hat die Tierrechtsorganisation Peta zwischen Oktober 2016 und April 2017 Verstöße gegen das Tierwohl festgestellt und angezeigt. Einige der Unternehmen beteiligen sich an der „Initiative Tierwohl“, die mit „tiergerechter Haltung“ wirbt. Diese Verbraucher*innentäuschung ist aber nichts neues für die „Initiative Tierwohl“. Als gemeinsames Projekt der Fleischlobby und des Einzelhandels ist die Initiative eine reine Marketingstrategie, die zum sorgenfreien Fleischverzehr bewegen soll. In den Betrieben selbst gibt es keine bis minimale Verbesserungen.

7. Kurz vor Weihnachten 2017 verstoßen zwei Schweinezuchtanlagen die schon länger in der Kritik stehen erneut massiv gegen Tierschutzvorschriften: Auf der Anlage Gut Thiemendorf leben Tiere, die stark mit Kot beschmutzt sind, in viel zu engen Gitterboxen, sogenannten Kastenständen. Das zeigen Bilder von Ende November, die der Umweltorganisation Greenpeace zugespielt wurden. Deshalb hat der Verband am Montag Strafanzeige gegen den Betreiber, die Heideland Gutsverwaltung GmbH & Co. KG, erstattet.

Neue schwere Tierschutzverstöße wurden auch in der Schweinezuchtanlage des ehemaligen Präsidenten des Thüringer Bauernverbandes, Klaus Kliem, bekannt: Bei einer Kontrolle Anfang Dezember fanden die Amtstierärzte dort verletzte Tiere und stark verschmutzte Ställe vor. Aufgrund des aussichtslosen Gesundheitszustands mussten fünf Schweine notgeschlachtet werden. Doch das war erst möglich, nachdem die Polizei Amtshilfe leistete. Denn einen hinzugerufenen Tierarzt wollte der Betrieb nicht auf das Gelände lassen.

 

Quellen und weiterführende Informationen

1. https://www.animalequality.de/neuigkeiten/2016-03-31-betaeubungsgeraet-im-schlachthaus-2-jahre-lang-defekt

2. http://www.otz.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/2000-tote-Tiere-in-Moersdorf-Gruene-fordern-Aenderung-bei-Genehmigungen-fuer-Ma-1906939903

3. http://www.ariwa.org/aktivitaeten/aufgedeckt/recherchearchiv/696-filmmaterial-aus-schweinezucht-veroeffentlicht.html

http://www.thueringen24.de/thueringen/article207826819/Aktivisten-Schwere-Verstoesse-in-Thueringer-Schweinezucht.html

http://www.thueringen24.de/thueringen/article207887617/Dokumentation-Die-Vorwuerfe-im-Thueringer-Schweinezucht-Skandal.html

4. http://www.thueringen24.de/thueringen/article208287197/Neuer-Schweineskandal-Muss-Bauernpraesident-Gumpert-zuruecktreten.html?ref=sec

5. http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/Veterinaeramt-verbietet-Schlachtung-von-Hunderten-Schweinen-1415458576

6. http://www.thueringen24.de/weimar/article210448331/Immer-neue-Skandale-Ist-Thueringen-die-Schweinehoelle.html

7. http://www.taz.de/!5468429/