Politische Neujahrswünsche #7

Sexualität darf kein Tabu mehr sein!

Die gerade geführte Debatte um staatlich finanzierte Sexualassistenz für Pflegebedürftige zeigt erneut das Kernproblem unseres Umgangs mit Sexualität auf. Wir leben zwar in einer sexualisierten Welt und sind dieser jeden Tag öffentlich ausgesetzt, sachliche Debatüten über Form und Inhalt von Sexualität werden jedoch kaum geführt. Sexualität und der sexuelle Akt werden als etwas Schmutziges und Verbotenes dargestellt. Durch diese Voraussetzungen ermöglicht, nutzen vor allem rechtspopulistische Parteien das Thema, um Hass und Ekel zu schüren.

Sexualität ist etwas, das den Menschen das ganze Leben in verschiedenen Formen begleitet. Deshalb fordern wir eine Enttabuisierung des Umgangs mit Sexualität und deren Aufnahme in den öffentlichen und offenen Diskurs.

Sexualerziehung

Um Kinder und junge Erwachsene zu offenen, respektvollen und entscheidungskompetenten Personen zu erziehen, müssen ihnen die Möglichkeiten gegeben werden, entsprechend ihrer persönlichen Voraussetzungen, in vorurteilsfreien und unbelasteten Rahmen über Sexualität und alles, was damit zusammenhängt, reden zu können. Somit kann ohne das Aufbauen eines schlechten Gewissens, bspw. in Bezug auf Selbstbefriedigung, Selbstbewusstsein gelehrt und Verständnis gefördert werden – für den eigenen und den anderen Körper. Die heute in Schulen stattfindende Sexualerziehung ist veraltet und muss verbessert werden.

Sexualität und Konsum

Laut offizieller Zahlen liegt Deutschland mit knapp 12,5% auf Platz Eins des weltweit generierten Pornographie-Traffics im Internet. Plattformen wie Pornhub erfreuen sich auch unter Amateurfilmer*innen großer Beliebtheit. Die Anzahl an Menschen, die sexuelle Angebote gegen Geld offerieren, liegen laut unbestätigter Schätzungen bei mind. 400.000 Personen. Zwar ist Prostitution laut Gesetz nicht mehr sittenwidrig, jedoch haben Menschen, die diesen Beruf ausüben auch weiterhin mit einem arbeitsfeldbedingten unwürdigen Umgang durch Polizei, Verwaltung, Gesellschaft etc. zu kämpfen. Eine Stigmatisierung findet auch für diejenigen statt, die diese Angebote in Anspruch nehmen. Während ein unvoreingenommener Diskurs über Prostitution erreicht werden muss, muss weiterhin die durch Tabuisierung ins Dunkel gerückte und dadurch geförderte Zwangsprostitution verfolgt werden.

Keine Luxussteuer für Grundbedürfnisse

Die Menstruation ist etwas ganz Alltägliches und Normales – (fast) jede Frau hat sie monatlich für ein paar Tage lang. Um das Blut aufzufangen braucht sie bestimmte Produkte – ob nun Tampons, Binden oder eine Menstruationstasse – Fakt ist: keine Frau kommt um Monatshygieneartikel herum! Es ist deshalb absolut unverständlich, warum auf diese die sogenannte Luxussteuer in Höhe von 19% erhoben wird. Das einzige, was diese Steuer zeigt, ist, in wie vielen gesellschaftlichen Bereichen patriarchale Strukturen immer noch fortwirken und das Leben von Frauen beeinflussen. Wir fordern deshalb die sofortige Absenkung des Mehrwertsteuersatzes auf Monatshygieneartikel auf den ermäßigten Satz von 7%.