Gestern war Tag der Menschenrechte. Unter dem Motto „Frauenrechte sind Menschenrechte“ nahm die GRÜNE JUGEND Thüringen diesen Tag zum Anlass, um an die Frauenbewegungen in Europa, vor allem aber in England und in der DDR, zu erinnern.
Frauenrechte waren nicht immer – und sind es leider immer noch nicht überall – eine Selbstverständlichkeit. Das wurde uns gestern einmal mehr bewusst. Der Film „Suffragette – Taten statt Worte“ zeigte eindrucksvoll die Geschichte einer mutigen jungen Frau und ihrer Mitstreiterinnen, die hart für rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung in England, insbesondere für das Frauenwahlrecht, gekämpft und dafür schwere Opfer gebracht haben. Die im Film dargestellte Unterdrückung und die Erniedrigungen, die insbesondere Frauen aus der Arbeiterschicht damals erlitten haben, machen wütend und verständnislos. Frauen, die geschlechtliche Gleichberechtigung gefordert haben und sich dafür einsetzten – die Suffragetten – wurden verfolgt, geschlagen und weggesperrt. Und das alles ist gerade einmal etwas mehr als 100 Jahre her.
Unsere Bestürzung über die damaligen Zustände und die gleichzeitige Bewunderung für die Suffragetten konnten wir anschließend mit Andrea Wagner teilen, welche selber aktiv in der Frauenbewegung in den 80er Jahren der DDR mitwirkte und heute als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Weimar arbeitet. Sie erzählte uns von ihren eigenen Erfahrungen in der DDR und den Ungerechtigkeiten, die auch sie und ihre Freundinnen erfahren haben. Dabei gibt es durchaus Parallelen zwischen der Frauenrechtsbewegung in England zu Ende des 1. Weltkrieges und der Frauenbewegung ca. 70 Jahre später in der DDR. Insbesondere der Spott und der Hohn, mit dem die Männer im Film den Frauen und ihren Forderungen begegnet sind, erinnerten sie stark an ihre eigenen Erfahrungen, berichtete Andrea Wagner. Wir bekamen außerdem Einblicke in die Aktionen, die von Frauen- und Lesbengruppen damals organisiert wurden, um auf die noch stark existierenden patriarchalen Strukturen aufmerksam zu machen und gesellschaftliche Gleichstellung einzufordern. Aber auch die Wiedervereinigung stellte für Frauen in der DDR den Verlust elementarer Rechte dar, wie die starke Einschränkung des Rechts auf Abtreibung.
Angesichts der gewonnenen Einblicke in eine Zeit, in der die meisten Teilnehmenden noch nicht geboren waren, sind wir froh, nicht im Jahr 1912 oder 1980 gelebt zu haben. Gleichzeitig wurde uns aber klar, dass die Debatten um die Forderungen der Frauen- und Lesbengruppen in er DDR nach gesellschaftlicher Gleichstellung und der Hinterfragung männlicher Privilegien heute noch ähnlich sind: Es ging schon damals um körperliche Selbstbestimmung, rape-culture, gesellschaftliche Norm-Vorstellungen und kaum überwindbare Gender-Rules und Stereotype. Dass wir immer noch mit genau denselben oder sehr ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, zeigt uns, dass gesellschaftliche Veränderung langsam und anstrengend sein kann. Gleichzeitig werden in vielen Teilen dieser Welt immer noch Frauen ganz offiziell und legal unterdrückt, stets als minderwertig angesehen. Wir sind also weder in Mitteleuropa noch in anderen Teilen der Welt am Ziel angelangt und das weltweite Patriarchat existiert weiterhin. Es ist deshalb unserer Aufgabe, dies zu bekämpfen und gesellschaftliche Gleichstellung für alle einzufordern.
Wir danken Andrea Wagner vielmals für das persönliche Gespräch und die spannenden Erfahrungen, die sie mit uns geteilt hat! Für die GRÜNE JUGEND Thüringen war es ein bewegender Abend und ein gelungener Jahresabschluss.