Am Mittwoch, den 16. November 2016, haben wir gemeinsam mit der sozialpolitischen Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Babett Pfefferlein, und ihrer Referentin Kathleen Lützkendorf die Suchtberatungsstelle Knackpunkt in Erfurt besucht. Claudia Adamczyk, die Leiterin der Hilfseinrichtung, brachte uns in zwei kurzweiligen Stunden die Probleme von abhängigen Personen aber auch die personellen und finanziellen Schwierigkeiten der Einrichtung selbst näher.

Der „Knackpunkt“, der unter dem Dach des Sucht- und Drogenhilfezentrums Erfurt tätig ist, betreut jährlich knapp 800 Klient*innen, die hauptsächlich Betäubungsmittelklient*innen sind, d.h. Menschen die Rauschmittel wie z.B. LSD oder Cannabis konsumieren. Menschen mit anderen Suchterkrankungen werden an die drei weiteren Einrichtungen in Erfurt überwiesen. Ein Großteil der Klient*innen des „Knackpunktes“ sind Männer im Alter von 28 bis 35 Jahren mit einer bereits mehrjährigen Suchtgeschichte. (Warum Drogenkonsum bei Männern oft höher ist als bei Frauen, kannst du hier nachlesen: http://www.drugcom.de/topthema/warum-nehmen-mehr-maenner-als-frauen-drogen/). Minderjährige Patienten hat der Knackpunkt im Vergleich eher wenige.

Zum Arbeitsalltag von Claudia Adamczyk gehört ein wöchentlicher Besuch in der Haftanstalt in Tonna, um den Inhaftierten eine externe Suchtberatung anbieten zu können. Dies ist insbesondere deshalb so wichtig, da die Haftbedingungen die Sucht oftmals noch verstärken oder sogar erst hervorrufen können. Problematisch ist, dass es aufgrund eines begrenzten Budgets teilweise mehrere Monate dauern kann, bis neue Inhaftierte einen Termin bekommen und auch danach ist ein Turnus von ca. zweieinhalb Monaten für die aus Zeitnot heraus meistens nur eine halbe Stunde dauernden Beratungsgespräche keine Seltenheit. Dass so keine effektive Suchberatung aussieht versteht sich von selbst. Hier wären dringend mehr Gelder nötig, um eine umfassende Suchtberatung sicherstellen zu können.

Ausgiebig diskutiert haben wir aber nicht nur über die Behandlung von drogenabhängigen Personen, sondern auch, wie am besten verhindert werden kann, dass Menschen überhaupt süchtig werden, sprich über Prävention. Klar ist für uns als GRÜNE JUGEND Thüringen, dass Drogen und Rausch – dazu gehören z. B. nicht nur Cannabis und Kokain, sondern auch Alkohol und Zigaretten – Bestandteil fast jeder Gesellschaft waren und sind. Abhängig von den jeweiligen Sanktionsmechanismen, d. h. epochenspezifischen Verboten einzelner Substanzen, hat jede Gesellschaft ihre ganz eigene Drogenkultur ausgebildet. Während zu Zeiten von Woodstock Halluzinogene, also Drogen „die einen Film abspielen“, weit verbreitet waren, sind es in unserer heutigen schnelllebigen Zeit eher „Leistungsdrogen“ wie Crystal Meth und Ritalin, die Probleme bereiten. Bei der Prävention kommt es jedoch nicht nur darauf an, über die Gefahren einer spezifischen Substanz aufzuklären, sondern vor allem die Kinder zu selbstbewussten Personen zu erziehen, die verantwortungsvoll Entscheidungen treffen können. Positive Impulse aus der Umwelt können der einzelnen Person vermitteln, dass sie auch bzw. erst recht ohne Drogen Erfolg haben kann und akzeptiert wird.

Doch eine gute Erziehung ist nicht immer gegeben. Teilweise werden Kinder von ihren Eltern vernachlässigt, und das unabhängig von sozialen Schichten. Von dem Besuch nehmen wir deshalb auch als Fazit mit: Bei einer Legalisierung von Cannabis muss es gleichzeitig ein verstärktes Suchtberatungsangebot geben sowie eine bessere Aufklärung und Prävention an Schulen. Denn eine Legalisierung birgt die Gefahr, dass die Hemmschwelle für ein erstes Ausprobieren herabgesetzt würde. Als GRÜNE JUGEND Thüringen werden wir uns jedoch weiterhin für die Legalisierung von Cannabis einsetzen, denn erwachsene Menschen, die ihre Stärken und Schwächen kennen, sind (meistens) in der Lage, Cannabis verantwortungsvoll zu konsumieren und deshalb sollte es ihre Freiheit sein, dies auch zu tun.

Bevor wir uns nach dem sehr interessanten Gespräch verabschiedeten, zeigte uns Claudia Adamczyk noch die Räumlichkeiten des Knackpunkts. Das mehrstöckige Gebäude besteht neben Arbeitszimmern mit Gesprächsecken unter anderem aus einem Drogenkontaktcafé, Notschlafstellen und einer Substitutionsambulanz.

Da das Gespräch von uns und den Besucher*innen als sehr interessant und aufschlussreich empfunden wurde, sollen im nächsten Jahr weitere Besuche bei anderen Drogenberatungsstellen folgen. Wir bedanken uns hiermit noch einmal herzlich bei Claudia Adamczyk für ihre Zeit und das informative Gespräch und bei Babett Pfefferlein und Kathleen Lützkendorf für die gelungene gemeinsame Organisation des Besuchs.