Im Rahmen der Hirschfeld-Tage referierte Jan Schnorrenberg am Freitag in Jena über die krude Gedankenwelt von Mirko Welsch und Co.

Von Sebastian Weise

In der heißen Phase des Wahlkampfes twittert Donald Trump (Republikaner) ein Bild, welches ihn mit einer Regenbogenflagge zeigt. Mit schwarzem Edding steht auf dieser: „LGBT`s for Trump“. Seine Anhänger*innen feiern ihn für seine Toleranz, seine politischen Gegner*innen sind empört. Unter jenen, die Trump für dieses Bild feiern, sind auch Homosexuelle. Sie unterstützen den Rechtspopulisten ausdrücklich. Doch dies ist mitnichten eine amerikanische Eigenheit. Die französische rechtsextreme Partei Front National stellt seit 2014 einen schwulen Bürgermeister, in Schweden organisiert die rechtspopulistische Schwedenpartei einen CSD durch ein muslimisches Viertel in Stockholm und in der rechtspopulistischen AfD findet sich die Bundesinteressengemeinschaft „Homosexuelle in der AfD“. Und es stellt sich die Frage, wie passt dies zusammen?

Diese Frage stellte sich auch die Grüne Jugend Thüringen und lud am vergangenen Freitag im Rahmen der Hirschfeld-Tage in Thüringen zu einem Vortrag über die Bundesinteressengemeinschaft „Homosexuelle in der AfD“. Knapp 30 Leute folgten der Einladung. Sachlich und Stück für Stück analysierte Jan Schnorrenberg, Mitarbeiter im Schwulenmuseum Berlin und Referent der Veranstaltung, die Homosexuellenszene in der AfD. Schnell werden drei Feindbilder der rechtspopulistischen Homosexuellen sichtbar, die Homolobby, der Queer-Feminismus und der Islam.

Von der „rosa Stasi“ bis zum homophoben Islam – Die Feindbilder

Im ersten Feindbild geht es vor allem darum, die AfD als alleinigen Akteur in der Homosexuellenbewegung platzieren zu wollen. Erreicht werden soll dies über die Diffamierung der Homolobby als rosa Stasi, also als totalitäres, intolerantes und ideologisch gleichgeschaltetes System. Gleiches Schema liegt dem Kampfbegriff „links-grüne Homosexuelle“ zu Grunde. Indem die Homosexuellen in der AfD immer wieder eine gleichgeschaltete und einheitliche LGBTIQ-Community in Deutschland heraufbeschwören, wollen sie sich als die mutigen Widerstandskämpfer*innen präsentieren. Sie unterteilen letztendlich in gute und böse Homosexuelle, wobei sie die Guten sind.

Im zweiten Feindbild steht der Queer-Feminismus im Mittelpunkt und wird als Bedrohung für die Männlichkeit umgedeutet. Ergo werden Schwule und Queer-Feminismus als Gegensätze begriffen. „Lasst uns Männer Männer sein“ oder die Verwendung von queer als negativen Begriff, sind sprachliche Auswüchse der heraufbeschworenen Bedrohungskulisse. Im Sinne dieser Argumentation lehnen sie Bildungspläne ab, die die Aufklärung über LGBTIQ im Unterricht fördern wollen. Eine zweite Bedrohungskulisse wird hier mit dem Schlagwort „Frühsexualisierung“ aufgebaut. Denn die Annahme der Homosexuellen in der AfD ist, dass solche Bildungspläne vor allem Pädophilen weiterhelfen, dass Kinder demnach nicht mehr sicher sind und die Homolobby sich für Pädophilie einsetzt.

Im dritten Feindbild wird der Islam als eine homogene und totalitäre politische Ideologie gesehen. Er führt zur Verfolgung und Diskriminierung von LGBTIQ in Deutschland. Auf diesem Feindbild aufbauend werben die Homosexuellen in der AfD, dass sich links-grüne Homosexuelle antifeministisch und homophob verhalten, wenn sie sich für Geflüchtete einsetzen. Die Homosexuellen in der AfD versuchen sich hier wieder als mutige Widerstandskämpfer gegen die Homolobby zu positionieren und zeigen gleichzeitig den ersten Bruch im eigenen Weltbild auf. Indem sie sich gegen Queer-Feminismus und die LGBTIQ-Bewegung in Deutschland einsetzen, verhalten sie sich selbst antifeministisch und feindlich gegenüber LGBTIQ-Menschen. Ein zweiter Bruch wird daran deutlich, dass es laut der Homosexuellen in der AfD gilt, die Grundrechte für Homo-, Bi- und Transsexuelle vor dem Islam zu verteidigen. Dabei lehnt die Bundesinteressengemeinschaft der AfD Bildungspläne oder die Ehe für alle selbst ab und spricht davon, dass es keine wirkliche Diskriminierung mehr gäbe.

Welchen Nutzen zieht die AfD daraus?

Die Analyse Schnorrenbergs ist treffsicher. Nach der Vorstellung der Feindbilder macht er eine kleine Pause und holt dann noch einmal aus. Er unterscheidet zwischen heterosexuellem und homosexuellem Rechtspopulismus. Während der heterosexuelle Rechtspopulismus die Spaltung der Gesellschaft in korrupte Elite und reines Volk erreichen möchte und dadurch die politische Alleinvertretung des Volkes sein will, will der homosexuelle Rechtspopulismus die LGBTIQ-Bewegung in eine schrille Minderheit und eine stille Mehrheit unterteilen und somit eine politische Alleinvertretung der LGBTIQ-Bewegung in Deutschland sein.

Am Ende bleibt die Frage übrig, wie die Bundesinteressengemeinschaft „Homosexuelle in der AfD“ der AfD selbst nützt? Auch hierauf kann Schnorrenberg antworten. Der homosexuelle Rechtspopulismus macht die Neuen Rechten salonfähig, weil sie der Öffentlichkeit eine Toleranz und Akzeptanz von LGBTIQ-Menschen vorgaukeln können. Damit verhelfen sie dem Rechtspopulismus der AfD, sich in der Moderne zu behaupten. So wird der Rechtspopulismus der Neuen Rechten mit alten Begrifflichkeiten nicht mehr greifbar und entzieht sich alten Erklärungsmodellen. Umso wichtiger ist es, homosexuellen Rechtspopulismus zu definieren.