Die Montagsfakten werden jeden Montag von Grüne Jugend, Jusos, und Linksjugend ['solid] gemeinsam veröffentlicht.

Die Montagsfakten werden jeden Montag von den Thüringer Landesverbänden von  Grüne Jugend, Jusos, und Linksjugend [’solid] gemeinsam veröffentlicht.

 

In Deutschland haben 13% der befragten Frauen, also fast jede siebte Frau, angegeben seit dem 16. Lebensjahr Formen von sexueller Gewalt, also Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung oder unterschiedliche Formen von sexueller Nötigung, erlebt zu haben.1
Jährlich werden ca. 8000 Vergewaltigungen angezeigt.2 Unterschiedliche Studien kommen zu den Ergebnissen, dass der Anteil der Frauen, die eine erlebte Vergewaltigung nicht anzeigen, sich zwischen 95% und 85% bewegt. Ein Indiz dafür ist auch die geringe Meldequote: in Deutschland werden jährlich 9,85 Vergewaltigungen auf 100.000 Einwohner*innen gemeldet. Zum Vergleich: Schwedens Meldequote ist viermal höher (46,6 auf 100.000).3
Laut einer Pressemitteilung des KFN (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen) vom 17.04.2014 sinkt die Verurteilungsquote seit Jahren. Vor 20 Jahren erlebten demnach noch 21,6% der eine Anzeige erstattenden Frauen die Verurteilung des Täters. 2012 waren es nur noch 8,4%. Andere Studien gehen von einer Verurteilungsquote von 13% aus.4 Fakt ist, dass diese geringen Verurteilungsquoten im europäischen Ländervergleich unterdurchschnittlich sind.  Entgegen der weit verbreiteten Stereotype, wonach die Quote der Falschanschuldigungen bei Vergewaltigung beträchtlich ist, liegt der Anteil bei nur 3%.5
Meistens stammen die Täter aus dem Bekanntenkreis des Opfers.  So waren in 49,3% aller Fälle von sexueller Gewalt der Partner/ bzw. Ex-Partner der Täter. Dahinter folgten flüchtig Bekannte (22,3%) und Freunde, Bekannte, Nachbarn (19,8%) als Täter von sexueller Gewalt.6
Entsprechend wurde auch die Gewalt überwiegend in der eigenen Wohnung erlitten. So gaben 69% der Frauen, die von sexueller Gewalt betroffen waren, als Tatort die eigene Wohnung an. Demgegenüber wurden öffentliche Orte (wie Straßen, Parks etc.), die für Frauen oft typische „Angstorte“ darstellen, mit 20 % deutlich seltener als Tatorte genannt, ohne aber mit einem Fünftel der Fälle unerheblich zu sein.7
Da bei sexueller Gewalt 99% aller Fälle von männlichen Tätern ausgehen und nur in einem 1% der Fälle Frauen die Täterinnen sind, wird in diesem Text nur die männliche Form „Täter“ benutzt.8

 

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen:

365 Tage im Jahr, rund um die Uhr erreichbar: Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Unter der Nummer 0800 166 660 und via Online-Beratung können sich Betroffene, aber auch Angehörige, Freund*innen sowie Fachkräfte anonym und kostenfrei beraten lassen.

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Quellen:

1 Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Kurzfassung der Untersuchung von Schröttle und Müller (2004), herausgegeben von Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, S.7.
2 Unterschiedliche Systeme, ähnliche Resultate? Strafverfolgung von Vergewaltigung in elf europäischen Ländern. Länderbericht Deutschland. Corinna Seith, Joanna Lovett & Liz Kelly (2009): Different systems, similar outcomes? Tracking attrition in reported rape cases across Europe. S. 4.
3 Seith, Lovett & Kelly (2009), S. 4.
4 Seith, Lovett & Kelly (2009), S. 4.
5 Seith, Lovett & Kelly (2009), S. 9.
6 Schröttle und Müller (2004), S. 12.
7 Schröttle und Müller (2004), S. 12.
8 Schröttle und Müller (2004), S. 12

Bild: CC0 Public Domain