Am gestrigen Freitag besuchte unsere Sprecherin Katharina Bautz gemeinsam mit zwei Mitgliedern der Grünen Jugend Jena die Jugendarrestanstalt in Arnstadt.

Die Jugendlichen von 14 bis 21 Jahre, die dort für bis zu vier Wochen in Arrest sind, durften in dieser Woche das Themenfeld der Politik erleben, inklusive einem Landtagsbesuch. Am letzten Tag der Projektwoche war der Tag der politischen Jugendorganisationen.

Wir erklärten den Jugendlichen auf Nachfrage, wieso wir uns freiwillig (!) politisch engagieren, obwohl wir doch die Zeit auch „spaßiger“ gestalten könnten. Andersherum erfuhren wir aber auch, welche Themen die Jugendlichen bewegt, was sie gerne ändern möchten, sowohl in ihrem eigenen Leben, in der Anstalt als auch für die komplette Gesellschaft.

Die Anstaltsleiterin erzählte uns zuvor Eckpunkte über die Einrichtung und führte uns in einige Räume, damit wir uns einen Eindruck vom Alltag der Arrestanten machen konnten. Für uns erschreckend war besonders der Umstand, dass einige Jugendliche oft in die Anstalt müssen, weil sie die Schule schwänzen – ironischerweise gibt es aber in der Anstalt keine Pädagogen, die diese und auch die Jugendliche mit anderen Hintergründen auf das alltägliche Lernen vorbereiten bzw. wieder heran führen. Es gibt kein Geld für schulähnliche Leistungen in solch einer Einrichtung. Dies ist aus unserer Sicht absolut unverständlich und sollte dringendst überdacht werden. Die Anstaltsleiterin hoffe derweil auf freiwillige HelferInnen, wie LehramtsstudentInnen oder pensionierte LehrerInnen. Da die Anstalt aber sehr schlecht bis gar nicht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist, wird es für interessierte Engagierte sehr schwer den Weg auf sich zu nehmen.

Ehrlich gesagt hatten wir damit gerechnet, dass ein paar der Jugendliche vielleicht rechtsextreme Tendenzen aufweisen würden. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir uns ständig auf Anti-Nazi-Demos tummeln und man nur noch das Schlechte vermutet. Aber wir wurden eines Besseren belehrt! Als das Thema geflüchteter Personen und Griechenlandhilfe angesprochen wurde, waren sich alle einig: „Jeder Mensch, der Hilfe braucht, soll diese bekommen. Denn wir leben alle auf einer Erde, Menschlichkeit darf nicht an den Ländergrenzen aufhören!“

Wir danken für die Möglichkeit des Besuches und hoffen, dass es den Jugendlichen ein bisschen Abwechslung gebracht hat. Uns hat der Einblick viel Stoff zum Nachdenken mitgegeben. Wir freuen uns darauf, wenn die Projektwoche nun öfter stattfinden wird.