Liebe Thüringer Allgemeine,
liebe Ostthüringer Zeitung,
am vergangenen Freitag, dem 27. Februar, haben Sie beide einen Onlineartikel von Herrn Holger Wetzel zu dem Antrag der Stadtratsfraktion von B90/ Die Grünen mit dem Titel „Grüne wollen in ganz Erfurt die Heizpilze verbieten“ veröffentlicht. Doch was Sie nicht erwähnten: auch DIE LINKE hat einen Antrag eingebracht und ebenso das Verbot von Heizpilzen und Heizstrahlern im städtischen Außenbereich Erfurts unterstützt. Zusammen sind das knapp 1/3 der Stadtratsmitglieder im gesamten Stadtrat! Es handelt sich hier also nicht um eine Spinnerei der Stadtratsfraktion von B90/Die Grünen, sondern um ein Anliegen, welches von mindestens zwei Parteien getragen wird.
Auffallend ist außerdem, dass in ihrem Artikel auf die Begründung des Verbots nicht eingegangen wird. Vielmehr kamen einige Gastronomen zu Wort, die selbst Heizpilze oder / und Heizstrahler haben und das Verbot verständlicherweise nur schwer oder gar nicht akzeptieren wollen. Von möglichen Umsatzeinbußen war die Rede, auch Steuereinbußen und Verlust von Arbeitsplätzen würden laut der Prognose eines Gastronomen die Folge sein. Doch was kostet eigentlich solch ein Heizpilz oder Heizstrahler in der Betreibung? Die Frage fehlte in dem Artikel gänzlich. Laut dem unabhängigen Verbraucherportal Verivox verbraucht ein Gastwirt, der vier Heizpilze 60 Tage lang jeweils zehn Stunden laufen lässt, rund 29 Kilowattstunden. Das macht Kosten von rund 3.600 Euro aus. Wirtschaftlich können Heizpilze und Heizstrahler auch zu einer Belastung für die Gastronomen werden, wobei auch deutlich gesagt werden muss, dass kleinere Gastronomen sich solche Gerätschaften nicht leisten können, weder in der Anschaffung noch in der Unterhaltung. Somit wäre ein Verbot der Heizpilze eine Chance die kleineren Gastronomien konkurrenzfähiger zu machen. Interessant wäre auch die Meinung dieser kleineren Gastronomie-Betriebe gewesen, meinen Sie nicht auch?
Aber kommen wir zu dem wesentlichen Punkt, der in dem Artikel nicht ausreichend erwähnt wurde: Klimaschutz. Nicht nur, dass die Stadt Erfurt ein Klimaschutzkonzept hat, welches ein Verbot nahelegen müsste, auch das Umweltbundesamt hat schon 2009 ein Hintergrundpapier zu der Energieverschwendung und Umweltbelastung durch Heizstrahler und Heizpilze veröffentlicht und legt am Ende des Papiers einen freiwilligen Verzicht der Strahler nahe.
Daher ist die Frage: Was nützt uns jede noch so kostspielige Isolierung und Dämmung, neue Fenster und Türen, wenn man sein Geld und die Energie nutzt, um die Außenluft zu erwärmen? Wenn wir uns die Klimabilanz der Heizstrahler, vor allem die mit Gas betreiben werden, anschauen, wird der katastrophale Verbrauch klar. Ein Vergleich: ein Auto der Kompaktklasse, welches im Jahr 12 500 Kilometer unterwegs ist, stößt in dieser Zeit 1,8 Tonnen Kohlendioxid aus. Hingegen produzieren sechs mit Propangas betriebene Heizstrahler, die an 20 Tagen je acht Stunden laufen, 2,7 Tonnen Kohlendioxid. Die CO2-Emissionen liegen dabei deutlich über denen eines Mittelklassewagens. Beim Gastronomen liegt der Ausstoß bei 5,3 Tonnen. Der Pkw stößt jährlich dagegen „nur“ 3,5 Tonnen aus. Dies sollte zudenken geben!
Die Stadt Erfurt wäre bei Weitem kein Vorreiter in dieser Sache, bereits Städte wie Berlin, Stuttgart, Nürnberg, Tübingen, Ludwigsburg, München, Köln und die beiden Stadtteile Hamburg-Altona und Hamburg Eimsbüttel haben solch ein Verbot schon durchgesetzt. Daher begrüßt die GRÜNE JUGEND Thüringen diesen Antrag der Stadtratfraktionen B90/Die Grünen und DIE LINKE.