Die Grüne Jugend Thüringen ist ein queerfeministischer Verband und die Selbstbestimmungsrechte von allen Menschen haben für uns zentrale Bedeutung. Wir setzen uns konsequent für einen tatsächlichen Schutz vor sexueller Gewalt und Bevormundung und gegen jede Marginalisierung von Sexarbeiter*innen ein. Gerade in Zeiten der Pandemie, in denen rechte Ideologien in ganz Europa aufflammen, Frauen und Queers die Rechte auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung immerwieder abgesprochen werden und christliche Fundamentalist*innen ihr streng patriarchales Weltbild auf die Straße tragen, stehen wir für die Selbstbestimmung und Freiheit aller ein.

Wir solidarisieren uns deshalb mit Sexarbeiter*innen und kämpfen für die Entkriminalisierung und Entstigmatisierung von erotischen Dienstleistungen. Unter dem Deckmantel, Frauen vor sexueller Gewalt oder Bedrohungen wie Menschenhandel und Zwangsprostitution schützen zu wollen, werden die Rechte auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen und Queers weiter eingeschränkt und Ressentiments gegenüber Sexarbeiter*innen und Migrant*innen geschürt. Aber gerade damit wird Gewalt unsichtbar gemacht und Sexarbeit gefährlicher.

Auf dem 53. Bundeskongress der Grünen Jugend solidarisierten sich die Mitglieder unter dem Titel „SEXWORK IS WORK- SOLIDARITÄT MIT SEXARBEITER*INNEN!“ mit allen Sexarbeiter*innen. Der Beschluss bezog sich dabei unter anderem ausführlich und kritisch auf das vor drei Jahren eingeführte Prostituiertenschutzgesetz. Die Grüne Jugend Thüringen trägt diesen Beschlussvollständig mit und solidarisiert sich explizit mit Sexarbeiter*innen.

Noch immer müssen die in Thüringen tätigen Sexarbeiter*innen zum Landesverwaltungsamt nach Weimar, um sich anzumelden. Während viele Bundesländer dezentrale Lösungen gefunden haben, hat Thüringen das Gesetz noch nicht in eigene Landesregelungen übersetzt. Das Registrierungshindernis führt u.a. zu einer Vereinzelung der Arbeiter*innen. Um nicht erwischt zu werden, bieten die Arbeiter*innen ihre Dienste öfter allein in Wohnungen an, statt sich Wohnungen mit anderen Frauen zu teilen. Damit ist aber auch die Gefahr von Gewalt und Vereinzelung viel größer.Gegenseitige Unterstützung und Solidarität unter Sexarbeiter*innen wird stark erschwert.

Nun verschärft Corona die Situation vieler Prostituierter. Das faktische Verbot von Prostitution aufgrund der Pandemie hat viele Sexarbeiter*innen in Existenznöte gebracht. In Thüringen fehlen Netzwerke, die Arbeiter*innen der Sex-Branche in kritischen Situationen wie dieser auffangen können. Als einziges Bundesland hat Thüringen bisher keine professionelle Fachberatungsstelle für die Arbeiter*innen im Land. Diese ist aber dringend nötig, denn neben Ausstiegsberatung könnte dort auch rechtliche und finanzielle Beratung geleistet werden. Klar ist, dass gute soziale Beratung immer ergebnisoffen erfolgen muss. Die Professionalisierung von Sexarbeiter*innen auch durch Fachberatungsstellen ist entscheidend, damit diese ihre Rechte kennen und damit auch wahrnehmen können.

Es ist zu befürchten, dass einige Sexarbeiter*innen aufgrund ihrer Einnahmeausfälle gerade massiv von Obdachlosigkeit bedroht sind. Soziale Sicherungsnetze greifen bei dieser Gruppe kaum, weil die Dunkelziffer aufgrund der Kriminalisierung und Stigmatisierung hoch ist.

Die aktuelle Situation macht deutlich, dass Kriminalisierung und Verbote die Situation von Sexarbeiter*innen nur verschlimmern. Sexarbeit muss anderen Dienstleistungen gleichgestellt werden. Nur so können Arbeitsbedingungen verbessert werden und Sexarbeiter*innen können sich beispielsweise sozial absichern.Deutlich verstärkt werden muss in Thüringen auch der Kampf gegen Menschenhandel. Hier ist auch im Bereich der Prostitution noch zu viel im Dunkeln. Eine eigene Beratungsstelle gegen Menschenhandel könnte in enger Zusammenarbeit mit der Fachberatungsstelle u.a. effektiver Menschen unterstützen, die sich in Zwangs- und Ausbeutungsverhältnissen befinden. Als Grüne Jugend kämpfen wir dafür, dass alle Menschen ein gutes Leben haben können und prekäre Arbeitsverhältnisse in allen Bereichen beendet werden.

Die Grüne Jugend Thüringen fordert:

  • eine sofortige Möglichkeit der dezentralen Registrierung als Selbständige*r in
    den einzelnen Thüringer Kommunen
  • eine Aufhebung des Verbots von Prostitution in Thüringer Städten mit weniger als 30.000 Einwohner*innen
  • die Einsetzung einer professionellen Fachberatungsstelle für Sexarbeiter*innen in Thüringen
  • eine Entstigmatisierung von Sexarbeit
  • Empowerment von Frauen und Queers – selbstsichere Menschen können ihre Rechte gegenüber Behörden und Polizei, wie auch Kund*innen am besten durchsetzen
  • ein Ende der Abschiebungen migrantischer Sexarbeiter*innen sowie das Recht auf Asyl für migrantische Sexarbeiter*innen, die in ihren Herkunftsstaaten von Stigmatisierung und Kriminalisierung betroffen sind und die Möglichkeit einer geregelten Migration
  • die Schaffung eines sicheren Umfeldes für Straßensexarbeit

 

Wir setzen uns konsequent für einen tatsächlichen Schutz vor sexueller Gewalt und Bevormundung und gegen jede Marginalisierung von Sexarbeiter*innen ein.

#SexworkIsWork

 

 

 

Beschlossen auf der 2. Landesmitgliederversammlung 2020 der GRÜNEN JUGEND Thüringen