Die GRÜNE JUGEND Thüringen spricht sich gegen Stuttgart 21 (S21) und für das Konzept eines modernisierten Kopfbahnhofs (K21) aus.

S21 und die mit ihm verbundene Neubaustrecke Wendlingen-Ulm sind extrem teuer ohne einen wirklichen Nutzen zu bringen. Die Kosten werden bewusst kleingerechnet. Zwischen den Projektpartnern sind 4,5 Mrd € vereinbart. Nachdem 2009 interne Zahlen von 4,9 Mrd € an die Öffentlichkeit kamen, wurde S21 auf 4,1 Mrd € heruntergerechnet. Dies geschah durch nicht näher erläuterte Optimierungen und einer noch nicht vom Eisenbahnbundesamt genehmigten Reduzierung der Tunnelwanddicken. Auch die Kosten der Strecke Wendlingen-Ulm sind zu niedrig angesetzt. Im Vergleich zu den Kosten der Neubaustrecke Nürnberg-Ingolstadt je Tunnelkubikmeter und Kilometer Strecke würden diese nur 45% betragen. Aufgrund der höheren Kosten und der begrenzten jährlichen Gelder des Bundes für den Schienenausbau wird sich die Bauzeit und damit die Belastung der Bürger Stuttgarts deutlich erhöhen. Die hohen Kosten werden den Ausbau des Schienennetzes an anderer Stelle und höherem Nutzen langfristig behindern.

Demgegenüber liegen die Kosten für K21 bei einem Drittel bis einem Viertel der Kosten für S21. Dies wird möglich aufgrund deutlich weniger Tunnel und der Einsparung zweier für S21 notwendigen Bahnhöfe (S-Bahnhof Mitternachtstraße, ICE-Bahnhof am Flughafen). Die Belastung der Bürger*innen durch die Baustellen sinkt und auch eine Realisierung einzelner Bauabschnitte bringt Vorteile für den Bahnkunden. Die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm verkürzt die Fahrzeit zwischen Stuttgart und München um 26 Minuten. Dies reduziert die Fahrzeit in etwa auf die der Bestehenden Strecke des Jahres 1995. Somit kann der Nutzen der Neubaustrecke durch den Ausbau der bestehenden Trasse mit 10% der Kosten realisiert werden. Die für die Wirtschaftlichkeit der Neubaustrecke notwendigen 40 schnellen Güterzüge sind nicht verfügbar und es gibt keinen Bedarf dafür.

Für Stuttgart ist der Regionalverkehr von größerer Bedeutung als der Fernverkehr. Darüber hinaus benötigt der Fernverkehr einen leistungsfähigen Regionalverkehr als Zubringer. K21 bietet mit seinen 16 Gleisen die Möglichkeit eines integralen Taktfahrplanes, bei dem die Regionalzüge vor dem ICE einfahren, und erst nach dem Umstieg der Reisenden vom ICE in die Regionalbahn weiterfahren. Bei Bedarf können Anschlusszüge im Bahnhof warten. Bei S21 mit nur 8 Gleisen ist dies nicht möglich. Dafür bekommen die Reisenden hohen Bahnlärm durch die niedrigen Decken des Bahnhofs, kaum Tageslicht und starkes Gedränge an den zu kleinen Bahnsteigen.

Von den Befürworter*innen werden oft die oberirdisch frei werdenden Flächen hervorgehoben, die für Stuttgarts Entwicklung angeblich notwendig währen. In Wirklichkeit besteht jedoch kein Bedarf. Die wahrscheinlichste und zugleich optimistischste Prognose der Einwohnerentwicklung geht von einem leichtem Anstieg bis 2018 und einem anschließenden Bevölkerungsrückgang bis 2025 auf das heutige Niveau aus. Es gibt in Stuttgart 200 Hektar Brachflächen und auch durch K21 werden Flächen frei.

K21 erhält das Denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude. Der Kahlschlag im Schlossgarten wird vermieden. Die Mineralwasservorkommen werden nicht gefährdet. S21 vernichtet Bahnschotterflächen die sich zum Lebensraum für gefährdete Arten entwickelt haben. Durch die hohen Kosten bestünde ein starker Anreiz die freien Flächen möglichst dicht zu bebauen um damit die Erlöse aus den Grundstücksverkäufen zu maximieren. Dies verstärkt die ohnehin durch Stuttgarts Lage im Talkessel bedingte Aufheizung der Stadt im Sommer und den damit einhergehenden Wärmestresses für die Bevölkerung.