Die GRÜNE JUGEND Thüringen spricht sich für ein klares Primat der dezentralen
Unterbringung von Asylsuchenden aus. Wir wollen Asylsuchenden die Möglichkeit
geben, von Anfang an in der Mitte der Gesellschaft zu leben und eine
gegenseitige Integration vorantreiben.
Verschiedene Gründe sprechen für eine dezentrale Unterbringung von Geflüchteten
und Asylsuchenden. Einige der Schwerpunkte der GJTh sind:
1. Sicherheit für Geflüchtete
Bilder aus Freital und von Asylunterkünften nach Brandanschlägen zeigen:
Zentrale Unterbringungen dienen rassistischen und fremdenfeindlichen
Gruppierungen als Anlaufpunkte für ideologische Hetze und physische Gewalt,
sowie als Mobilisierungspotenzial. Dies liegt auch daran, dass zentrale
Unterkünfte oft abgeschottet vom Rest des Ortes liegen. Dezentrale Unterbringung
hat hingegen den Vorteil, dass Rassist*innen keine zentrale Anlaufstelle für
ihre Hetze haben und sich rassistische Mobs nicht so leicht bilden können.
2. Gegenseitige Integration ermöglichen

Von vielen (populistischen) Stellen wird bemängelt, dass Geflüchtete sich schlecht in die Gesellschaft integrierten. Dieses Argument ist zynisch, wenn bedacht wird, dass sich die Unterkünfte von Asylsuchenden oft am Rand von Orten befinden. Weitere Integrationshürden wie die Sprache bleiben ebenso aufrecht erhalten, wenn Geflüchtete sich vor allem untereinander austauschen.
Darum: Gegenseitige Integration kann nur mit dezentraler Unterbringung wirklich gut funktionieren. Asylsuchende können die deutsche Sprache sehr viel leichter erlernen, wenn sie regelmäßigen Kontakt mit Nachbarn haben. Der zwischenmenschliche Austausch ermöglicht auch wichtiges Wissen im Umgang mit Behörden oder anderen Institutionen. Gleichzeitig können durch dezentrale Unterbringung bestehende „Ängste“ in der Bevölkerung abgebaut werden. Verschiedene Erfahrungen aus Städten mit dezentraler Unterbringung zeigen, dass die Bevölkerung im Laufe der Zeit immer aufgeschlossener gegenüber Geflüchteten wurde. Dieser Trend zeigt, dass aktives Vorgehen gegen Ressentiments am wirksamsten ist, nicht die Trennung der Menschen.

3. Alltag schaffen, Traumata abbauen

Geflüchtete haben oftmals sehr viel Leid erlebt. Bürgerkriege, Tod, politische Verfolgung, Diskriminierung und Fluchtrealität können ein Trauma auslösen, welches nicht leicht zu bekämpfen ist. Darum setzt sich die GJTh schon seit Langem für psychosoziale Betreuung von Geflüchteten ein und wir freuen uns über alle Engagierten, die den Geflüchteten in diesem Bereich helfen.
Die dezentrale Unterbringung von Asylsuchenden kann auch hier sehr hilfreich sein. Wer den Geflüchteten einen Alltag in der Mitte der Bevölkerung gibt und eine schnelle Eingliederung ermöglicht, der kann bei echter Traumverarbeitung helfen. Ein Leben am Rande der Gesellschaft unter anderen Geflüchteten kann dies nicht leisten.

Die GRÜNE JUGEND Thüringen ist sich auch der Probleme der dezentralen
Unterbringung bewusst. Die Koordination von Sprachkursen und anderen Angeboten
für Asylsuchende (beispielsweise die Begleitung bei Behördengängen) wird
erschwert. Allerdings glauben wir, dass ein nachbarschaftliches Miteinander in
dieser Hinsicht oft ausgleichend wirken kann.
Der wirtschaftliche Preis der dezentralen Unterbringung ist sicherlich nicht zu
vernachlässigen, große Gemeinschaftsunterkünfte sind nun einmal billiger als
einzelne Wohnungen für alle. Allerdings muss hier gelten: Geflüchteten muss eine
echte Chance auf einen Verbleib in Deutschland gewährt werden. Große
Gemeinschaftsunterkünfte zeugen von einer Politik, die Asylsuchende erst sehr
spät (wenn überhaupt) in die Gesellschaft integrieren will. Von dieser Politik
wenden wir uns entschieden ab und fordern: Dezentrale Unterbringung von
Flüchtlingen als erste Lösung.
Zur Ermöglichung der dezentralen Unterbringung wollen wir einige Ansätze
liefern:
1. Zentrale Anlaufstellen für Wohnraum-Anbietende
Die Bundesländer sollen zentrale Anlaufstellen für Wohnraumvermittlung
einrichten, die es ermöglichen, dass Menschen nicht genutzten Wohnraum für die Unterbringung von Asylsuchenden anbieten können. Diese Stellen sind auch für die
Überprüfung dieser Wohnraumgelegenheiten zuständig. Dieser Wohnraum kann auch
WG-Zimmer oder andere alternative Wohnformen beinhalten, solange dieser von der
zuständigen Stelle geprüft ist.
2. Flexible Gestaltung der Verteilung
Bei der Verteilung von Asylsuchenden auf die Bundesländer wird bislang strikt
der Königsteiner Schlüssel angewendet. Dies gilt es zu ändern.
Verwandtschaftsverhältnisse und andere Verbindungen zu Menschen sollten bei der
Verteilung berücksichtigt werden. Gerade auch erste Aufnahmemöglichkeiten können
sich so ergeben, die dezentrale Unterbringung kann vorangetrieben werden.
3. Soziales Engagement nutzen

Bei der dezentralen Unterbringung kann es hilfreich sein, sozial Engagierte und gemeinnützige Organisationen in beratender Tätigkeit zu Rate zu ziehen. Diese Organisationen haben oft deutlich höhere Kenntnis über die Verhältnisse vor Ort, sowie die Risiken und Potenziale. Auch dezentrale Unterbringungsmöglichkeiten können so leichter vermittelt werden. Gemeinnützige Organisationen können auf eigene Initiative in organisatorischer Funktion mitwirken. Ehrenamtliches Engagement darf jedoch nicht dazu dienen, dass staatliche Institutionen Stellen einsparen. Besonders organisatorische Belange dürfen nicht auf Ehrenamtliche abgewälzt werden.

Abschließend stellen wir fest: Eine dezentrale Unterbringung von Asylsuchenden
in Thüringen ist in jedem Fall ausbaubar, es gilt hier die vorhandenen
Potenziale zu nutzen um den Asylsuchenden Schutz zu gewährleisten, eine
gegenseitige Integration voranzutreiben und Geflüchteten ein menschenwürdiges
Leben in Thüringen zu ermöglichen.