In den letzten 10 Jahren sind die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von psychischen Erkrankungen laut AOK-Bundesverband um 80 % gestiegen. 2016 lagen die Zahlen mit 25,7 Tagen je Fall an der Spitze aller Erkrankungen und dauerten mehr als doppelt so lang wie der Durchschnitt (11,7 Tage pro Fall). Sowohl die Zahl der psychisch Erkrankten insgesamt als auch die Ausfallzeit je Patient*in sind dabei gestiegen.

Arbeit macht also zunehmend krank. Das dürfen wir nicht länger zulassen!

Die GRÜNE JUGEND Thüringen fordert daher, die betriebliche Gesundheitsvorsorge im Freistaat Thüringen auszubauen sowie mehr Präventionsangebote zu schaffen, von der Schule über die Uni bis zum Arbeitsplatz.

Außerdem fordern wir einen konsequenten Ausbau von Psychotherapieangeboten in Thüringen.

Im gesamten Freistaat Thüringen gibt es in allen Kommunen zu wenig Psychotherapeut*innen. Selbst in größeren Städten wie Erfurt und Jena vergehen zwischen einer ersten Kontaktaufnahme mit ambulanten Praxen für Psychotherapie und dem Erstgespräch mehrere Monate, in denen sich die Symptomatik häufig immer mehr verschlimmert und die Betroffen somit zunehmendem Leidensdruck im Alltag ausgesetzt sind.

Mit der Terminservicestelle der kassenärztlichen Vereinigung Thüringen wurde bereits ein Instrument geschaffen, welches diesem Missstand entgegenwirken soll, indem es gesetzlich Versicherten binnen vier Wochen auch einen Termin für ein psychotherapeutisches Erstgespräch vermittelt. Das Problem kann hierdurch jedoch nicht gänzlich gelöst werden, die Wartezeit wird lediglich von vor dem Erstgespräch auf danach bis zum regulären Therapiebeginn verschoben. Für eine erfolgreiche Psychotherapie ist die Beziehung zu dem*der Therapeut*in besonders wichtig, weshalb gerade zu Beginn ein Wechsel des*der Psychotherapeut*in notwendig sein kann.

Die Terminservicestelle bietet auch hier keine Abhilfe. Es ist also erforderlich, das Problem an der Wurzel anzugehen und mehr Therapieplätze zu schaffen. Hierzu müssen die in der Bedarfsplanungsrichtlinie festgelegten Versorgungsschlüssel deutlich angehoben werden und gleichzeitig die verschiedenen Versorgungszonen einander angeglichen werden. Menschen im ländlichen Raum sind genauso von psychischen Erkrankungen betroffen wie Menschen in Städten, weshalb es nicht gerechtfertigt ist, dass im ländlichen Raum pro 100.000 Einwohnenden nur 16,8 Psychotherapeut*innen vorgesehen sind, während innerhalb von Städten zumindest 32,5 Psychotherapeut*innen pro 100.000 Einwohnenden angestrebt werden.