In Thüringen existieren derzeit ca. 16000 Krankenhausbetten in 44 Kliniken bei einer Einwohnerzahl von 2,2 Millionen. Während der Durchschnitt in Deutschland 2007 bei 5,7 Betten pro 1000 Einwohnern lag, und Deutschland damit im internationalen Vergleich immer noch eine Spitzenposition einnimmt, hält Thüringen mit 7,3 Betten pro 1000 Einwohner sogar noch höhere Kapazitäten vor. In den Niederlanden, einem im internationalen Vergleich ebenfalls sehr leistungsfähigen Gesundheitssystem, sind beispielsweise lediglich 3,0 Betten pro 1000 Einwohner vorhanden.

Im Rahmen der Vorbereitungen des 6. Krankenhausplanes des Landes Thüringen wurde vom Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit beim IGES Institut ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses fordert unter Berücksichtigung der Entwicklung der Geburten- und Einwohnerzahlen in Thüringen unter anderem eine Streichung ca. 10% des derzeitigen Bettenbestandes, dies vor allem in schlecht ausgelasteten Abteilungen der Geburtshilfe sowie der Kinder- und Jugendmedizin mit niedrigen Fallzahlen vor. Die Vertreter*innen der Thüringer Krankenhausgesellschaft haben aus Protest gegen diese Forderungen die 91. Sitzung des Krankenhausplanungsausschusses geschlossen verlassen und damit ihre fehlende Dialogbereitschaft trotz des Entgegenkommens seitens des Ministeriums eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Vorhandene Kapazitäten dürfen aber nicht zum Selbstzweck auf Kosten der Allgemeinheit erhalten werden. Dies gilt für die Interessengruppe der Krankenhausbetreiber*innen ebenso wie die der Kommunen. Patient*innen sind bereit, Entfernungen von mehr als 20 Kilometern zu akzeptieren, wenn sie dadurch in einer Einrichtung höheren Spezialisierungsgrades, höherer Jahresfallzahlen und daraus resultierend höherer Behandlungsqualität behandelt werden. Davon ausgenommen ist die Notfallversorgung: Sie muss weiterhin wohnortnah möglich sein, beispielsweise in Portalkliniken oder aber auch integrierten Versorgungszentren.

Die GRÜNE JUGEND Thüringen fordert aus diesem Grund, dass die ursprünglichen Ziele des 6. Krankenhausplanes durchgesetzt werden. Integraler Bestandteil muss das Umdenken weg von einer reinen, stark manipulierbaren Mengenplanung hin zu einer Qualitätsplanung sein, die Patient*innen in den Mittelpunkt stellt, indem sie die knappen Ressourcen im Gesundheitssystem unter dem Gesichtspunkt der Qualität verteilt. Die Krankenhäuser dürfen sich nicht länger dagegen verwehren, dass weitergehende Qualitätsstandards und -kontrollen von ihnen eingefordert werden, und dass sie kleine Abteilungen schließen müssen, Abteilungen, in denen die therapeutischen Teams nicht die notwendige Erfahrung sammeln können, und damit die notwendige Behandlungsqualität nicht erreicht wird.